Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Hunger-Trilogie meiner Familie III

Hungernach Émile Zola
Trilogie meiner Familie III
Uraufführung: 23.9. im Thalia Theater

Regie & Fassung Luk Perceval

„Hunger – Trilogie meiner Familie III“ – Regie & Fassung Luk Perceval. Foto: Armin Smailovic

Hunger
nach Émile Zola
Trilogie meiner Familie III
Regie & Fassung Luk Perceval

Von Kadija Dastager

Hunger

Mit der Inszenierung “Hunger“ endet die “Trilogie meiner Familie“, das auf Émile Zolas berühmten Familienepos „Die Rougons-Macquarts“ basiert. Vor “Hunger“ feierten jeweils “Liebe“ 2015 und “Geld“ 2016 Premiere im Thalia Theater.

Das Thalia Theater bot am 23. September 2017 einen Trilogie Marathon an, Theaterliebhaber konnten alle drei Inszenierungen hintereinander ansehen. Leider konnte ich an dem Tag nicht, es wäre bestimmt sehr spannend gewesen zu sehen, ob die Geschichten – wenn sie nacheinander gespielt werden – in ihrer Wirkung bei mir anders nachhallen würden.

Nichtsdestotrotz konnte ich mich an “Liebe“ aufgrund des traurigen Schicksals von Gervaise Marquart gut erinnern. Bei Geld musste ich doch nochmal auf unserem Premierenblog nachlesen. Die Inszenierung “Hunger“ steht für sich allein und hängt nur sehr wenig mit den anderen Stücken zusammen.

In “Hunger“ geht es hauptsächlich um die Schicksale der Söhne von Gervaise Marquart der Wäscherin, ihr Leben und vor allem ihre Liebesgeschichte wurde in “Liebe“ behandelt. Erzählt werden insgesamt zwölf Lebensgeschichten, Mal nehmen die größeren Mal kleineren Umfang an. Wie aber auch in den anderen Inszenierungen zuvor, stehen sich aber zwei Hauptprotagonisten, hier Jaques der Mordlustige und Etienne der Streikführer gegenüber. Das Leben in der Grube, der Streik und vor Allem der Hunger stehen je nach Erzählstrang im Vorder- oder im Hintergrund.

Gespielt wird wieder auf der Holzbühne, diesmal mit nur einer kleineren Welle die im hinteren Teil der Bühne steht. Es hängen Stricke von der Decke herab und weiter oben der Wand entlang sitzt auf einem Gitterbalkon ein Musiker der krächzende laute Geräusche von sich gibt. Die Stimmung ist sehr bedrückend, es wirkt alles bewusst beengt. Schließlich haben die zwölf Schauspieler wenig Platz, sie sind alle fast durchgehend auf der Bühne. Sie bewegen sich vom imaginärem Bergwerk zu den beengten Schlafsälen der Familie oder zum Bahnhof. Zudem huscht auch noch Gervaise Marquart als Gespenst auf der Bühne umher und erinnert das Publikum daran, dass ihre Vergangenheit die Gegenwart ihrer Söhne beeinflusst. Es ist also ziemlich voll auf der Bühne, auf der viele Erzählungen die ineinander verwoben sind manchmal auch direkt vom Bühnenrand erzählt werden.

Die Kostüme sind bewusst simpel, die Arbeiter tragen beispielsweise weiße T-Shirts und kurze schwarze Hosen. Die vielen Erzählungen und die Sprech- und Erzählweise, das Narrativ während der Konversation der Darsteller, verlangt dem Publikum ohnehin schon viel ab. Man bekommt viel zu sehen, obschon nicht viel zu sehen ist. Das intensive Spiel und die Erzählungen haben es jedoch in sich.

Bis zum Ende ist man gespannt wie die jeweiligen Erzählstränge zu Ende gehen. Wird Jaques die Frau des Direktors umbringen? Wird Etienne mit seinem Streik Erfolg haben? Wird es den Bergarbeitern schließlich doch gut gehen? Oder wird der Großvater Recht behalten?

Zum Ende des Stücks als das Leiden der Streikenden immer größer wird, werden die Worte der Darsteller auch noch laut ausgeschrien um dem Elend noch mehr Wert beizumessen. Diese Art und Weise des Schauspiels kann in sparsamen Dosen sehr effektiv sein, hier wurde es ein wenig übertrieben. Das Publikum hat zeitweilig gelacht, das hat die Stimmung ein wenig getrübt.

Mit dem traurigen Schicksal der Streikenden endet “Hunger“ und fügt sich daher gut in die Trilogie ein. Es gibt für die Rougon-Marquarts keinen Hoffnungsschimmer. Der Großvater der schon zu Beginn des Stücks düster prophezeite: „Wenn die Ungerechtigkeit aufhören soll, dann muss das Alte weg, ausgetilgt werden mit Blut und Gewalt“.

Premiere am 23. September 2017 im Thalia Theater am Alstertor.

https://www.thalia-theater.de/de/spielplan/repertoire/hunger/

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 4. Oktober 2017 von in Premierenblog und getaggt mit , , , , , , , , , .

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