Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Tartuffe

Tartuffevon Molière

Regie Stefan Pucher

Premiere am 8. September im Thalia Theater

„Tartuffe“- Regie Stefan Pucher. Foto: Armin Smailovic

Tartuffe
von Molière
Regie Stefan Pucher

Von Mona Li

„Wie seltsam sind doch die Menschen. So ganz natürlich zeigen sie sich nie.“

Stefan Pucher nimmt Molière genauestens beim Wort und eröffnet mit einer schrillen und unterhaltsamen Inszenierung von Tartuffe die Spielzeit 2017/18. Die Figuren tragen bunte Schlager-Kostüme, sprechen in überdrehter Tonart und geben ihre Gefühle in Abba-Songs wie „Mamma Mia“ und „Money, Money, Money“ preis.

Ein latent gewaltbereiter Sohn, ein sachlich argumentierend, doch stets kurz vor der Verzweiflung stehender Schwager, eine zunehmend frustrierte Ehefrau. Orgon treibt seine Familie und Verwandten mit seiner bedingungslosen Liebe und Begeisterung für Tartuffe, einen vor Scheinheiligkeit triefenden Betrüger, in den Wahnsinn. Obwohl über die Dauer des Stückes nicht klar wird, wo genau dieser Tartuffe herkommt, wieso ihn Orgon bei sich zu Hause aufnehmen und ihn sogar mit seiner Tochter vermählen möchte, ist sich der Rest der Familie einig, dass er schleunigst weg muss. Mit allen Mitteln versuchen Schwager, Frau und Sohn dieses Ekel aus dem Haus zu vertreiben.

Die wie Karaoke-Einlagen anmutenden Gesangseinlagen der Darsteller bieten eine willkommene Abwechslung zu den ansonsten streckenweise Lacher-armen Szenen. Das Bühnenbild ist schlicht gehalten. Ein paar Möbel stehen auf der Drehbühne, die sich nur selten bewegt. Die Bühne wird von einem bronzefarbenen Vorhang umhüllt und erinnert an eine Manege. Über das Stück hinweg werden auf den Vorhang Videos projiziert, die das dekadente Leben der Familie offenbaren.

Pucher stellt den Witz in den Vordergrund. Er lässt Tartuffe im päpstlichen Gewand auftreten, die Schauspieler mit stark deutschem Akzent singen und nutzt Mittel der Übertreibung. Eine Kritik an Orgon, der seine Bewunderung für Tartuffe trotz zahlreichen Einwänden der Familienmitglieder nicht hinterfragt und nur das glauben möchte was er glaubt, bleibt aus.

Trotz 145 Minuten Komödie, bleibt ein Muskelkater des Lachmuskels am nächsten Morgen aus.

Premiere am 08. September 2017 im Thalia Theater am Alstertor

https://www.thalia-theater.de/de/spielplan/repertoire/tartuffe/

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 14. September 2017 von in Allgemein, Premierenblog und getaggt mit , , , , , , .
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