Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Das Ende von Eddy

Das Ende von Eddy
von Édouard Louis
Regie Alek Niemiro

Das Ende von Eddy  Thalia Theater

Das Ende von Eddy, Foto: Krafft Angerer

von Ormina Maschal

Die Bühne ist mit rotem Samt bedeckt. Das Licht und die Musik lassen melancholische Stimmung entstehen. Passend dazu, erscheint Eddy in schwarzer Kleidung auf der Bühne, wobei seine Socken mit keinen weißen Dreiecken gemustert sind.

Eddy beginnt von seiner Kindheitsgeschichte zu erzählen, dem Anfang von Eddy. Dieser spielte sich in einem Dorf im Norden Frankreichs ab. Seinen Vater beschreibt er als einen alkoholsüchtigen und zu Handgreiflichkeiten neigenden Macho. Seine Mutter als eine vulgäre Frau, die ihr erstes Kind zu früh bekam und die restlichen vier hatten nicht übereinstimmende Väter. Gestatten: Familie Bellegueule.

Eddys Vater hat den Namen seines Sohnes in einer amerikanischen Fernsehserie aufgeschnappt und fand, dass Eddy ein besonders männlich klingender Vorname sei. Doch Eddy Bellegueule* wird den Erwartungen seines Vaters nicht ganz gerecht. Schon als Kind verhält er sich abweichend von den anderen Jungs, indem er viel kreischt und sich weicher bewegt. Auch seinem Umfeld entgeht dies nicht. In der Schule wird er dafür gemobbt, erniedrigt und abwertend als „Schwuli“ bezeichnet.

Die Vermutung bestätigt sich, als Eddys Mutter die Hühner zu füttern beabsichtigt und beim Betreten der Hühnerscheune sieht, wie Eddy sich dort seinem Cousin hingibt.

Der rote Samt weicht von der Bühne, das sich darunter befindende Gerüst wird sichtbar.

Mit Gewalt und Ausgrenzung versucht Eddys Umfeld ihn an seine Normen anzupassen bis er seinerseits versucht mit einer Frau namens Sabrina zu schlafen. Als es ihm nicht gelingt versucht er sich mit homosexuellen und masochistischen Fantasien in Stimmung zu bringen, welche er auf der Bühne schildert. Am nächsten Tag macht Eddy mit Sabrina Schluss.

Eddy kann seine sexuelle Orientierung nicht verändern, anders als sein soziales Umfeld. Deshalb zieht er aus dem Dorf in die Stadt und entdeckt dort die schwule Szene. Beim Anblick seines neuen sozialen Umfelds, erwischt er sich bei dem Gedanken: „Was für Schwulis“.

Während des Stückes erwische ich mich mehrmals bei dem Gedanken: „Was für ein krasses Klischee“ und auf politische Korrektheit wurde absolut kein Wert gelegt. Zum Ende hin leuchtet mir jedoch ein, dass es der Inszenierung darum geht aufzuzeigen, dass Unterschiede zwischen sozialen Milieus existieren und Eddys Geschichte ein Beweis dafür sein soll. Bourdieuesk, könnte man sagen, wenn man wie ich, seine in einem ukrainischen Dorf liegenden Wurzeln vertuschen wollte.

*Bellegueule = Französisch für „Schönling“

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 22. Juni 2017 von in Allgemein, Premierenblog.
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