Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Salome – Juho Mantere, Theaterakademie der Uniarts Helsinki (KSJR 2017)

Koerber Studio Junge Regie 2017

Salome, Foto: Körber Stiftung/Krafft Angerer

nach Oscar Wilde
Regie: Juho Mantere
Theaterakademie der Uniarts
Helsinki
Sa 17.Juni 21 Uhr Thalia Gaußstraße

von Fabian Starting

 

Schon am Einlass wird klar, dass zum Abschluss der diesjährigen Körber Studio Junge Regie sich an den Motiven von Religion und ihrer Symbolik abgearbeitet wird. Die Zuschauer werden von bunten Mönchskutten begrüßt. Das uns die Schauspielerinnen an der Tür abholen, wird erst im Laufe des Stücks klar.

Die Bezüge zum institutionalisierten Christentum sind wohl unvermeidlich, wenn Bibelstoff auf die Bühne gebracht wird. Obwohl die Titelgebende Protagonistin bei der Enthauptung des Johannes des Täufers im Neuen Testament nicht namentlich benannt wird. Die Spielszenen sind bei Oscar Wildes Einakter „Salome“ entnommen, das drum herum stammt vom Regisseur Juho Mantere. Es handelt sich um eine Art Meta-Theater, denn die meiste Zeit sehen wir gespielte Kostümproben und Casting-Aufrufe. Ein junger Regisseur bemüht sich Oscar Wilde zu inszenieren, bekommt aber die Dialektik der Frau als Hure und Heilige nicht unter Kontrolle. In Verkehrung einer alten Theatertradition wird die einzige männliche Rolle von abwechselnd von zwei der Schauspielerinnen dargestellt.

Auf der Bühne befinden sich Schaufensterpuppen, Kleiderständer und auf einer Videowand werden Bewerbungsvideos und später auch christliche Bilder eingespielt. Dazu gibt es zeitgenössischen Pop, elektronisch und technoid angehaucht. Das Ganze Setting sieht mehr nach Proberaum als fertige Bühne aus.

So wie in der Salome als Figur der Kunst das Spektrum weiblicher Wesenseigenschaften ausgelotet werden, wird auch in dieser Form der Salome Frauenrollen betrachtet. So wird von den drei Schauspielerinnen mit Möhre und Orange der weibliche Orgasmus durch Penetration dargestellt, oder generell in Songs eine selbstbestimmte weibliche Erotik und Sexualität besungen.

Vieles wird erst im Nachgang ersichtlich, besonders wenn man nicht ganz so bibelfest ist und sich mit der Interpretation von Oscar Wilde nicht beschäftigt hat.

Einige Szenen waren mir dabei zu exaltiert und auch von einer überzogenen Hektik, dass es streckenweise an Bauerntheater erinnerte. Auch wird das Stück in Finnisch und teils Schwedisch gespielt, die Obertitel lauf auf einer sehr kleinen Leinwand hoch oben unter der Decke. Für das Verständnis der Bilder und Handlungen vor einem, ist diese Entscheidung nicht sonderlich hilfreich.

Für mich hatte Juhu Manteres Salome einige Längen aber auch starke Momente mit eindrucksvoll provokanten Bildern. Dem Saal unterdes schien es gefallen zu haben. Am Ende gab es großen Applaus, dem ich mir nur in Teilen anschließen konnte.

https://www.thalia-theater.de/de/spielplan/repertoire/salome/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20. Juni 2017 von in Allgemein.
%d Bloggern gefällt das: