Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Der entfesselte Wotan – Wilke Weermann, Akademie für Darstellende Kunst, Ludwigsburg

 

Koerber Studio Junge Regie 2017

Der entfesselte Wotan, Foto: Körber Studio/Krafft Angerer

Der entfesselte Wotan
nach Ernst Toller
Regie Wilke Weermann

 

von Paloma Rak

 

Die letzte Inszenierung im Rahmen des Körber Studio Junge Regie-Festivals kommt aus Ludwigsburg. Draußen scheint die Sonne, die Eindrücke der letzten vier Tage waren wohl zahlreich. Trotzdem füllen sich die Plätze, um Wilke Weermanns Abschlussarbeit zu sehen.

Man findet sich in einem schlicht eingerichteten Friseursalon der Zwanziger wieder. Wotan und seine Frau kümmern sich um einen Kunden. Den wohl einzigen des Tages. Und es wird direkt zu Beginn deutlich: Wotan ist unzufrieden. Mit seinen Einnahmen, mit den allgemeinen Umständen, ja es kommt gleich faustdick: Unzufrieden mit Europa. Sein Plan: Auswandern. Nach Brasilien!

Untermalt mit klamaukigen Gesangseinlagen beginnt Wotans Vorhaben eine Gewerkschaft für deutsche Auswanderer zu gründen und durch Spenden Reichtum zu erlangen.
Die expressionistische, stark ins Groteske ausufernde Komödie über den Friseur Wotan, der sich zum Anführer einer Gruppe von Auswanderern aufschwingt und krachend scheitert, anzugehen, erfordert einigen Mut. Weermann gelingt es den bekannten Text von Ernst Toller in die heutige Zeit zu übertragen. Manche Textpassagen könnten auch einem tagesaktuellen Nachrichtenblatt entspringen. Mit einem charmanten Augenzwinkern entwickelt er zusammen mit seinen Schauspielern eine humorvolle, aber nie alberne Spielweise, der man gerne zusieht. Das Publikum fühlt sich unterhalten.

Eine Erwähnung verdient auch das klug-erdachte Bühnenbild des Jung-Regisseurs: Durch flexibel einsetzbare Rollwände, lassen sich verschiedene Situationen und Orte einzigartig darstellen. Ansonsten kommt die Inszenierung mit einer eher klein gehaltenen Anzahl an Requisiten aus.

Das Fazit zu Weermanns Inszenierung fällt gemischt aus: Trotz der Schwierigkeit die komplexe Erzählung Tollers, kann die Inszenierung mit der durchweg guten Schauspielleistung, konsequent durchgezogenen, witzige Gags überzeugen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20. Juni 2017 von in Allgemein.
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