Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

TEOREMA – Blanka Rádóczy, Theaterakademie August Everding München (KSJR 2017)

Koerber Studio Junge Regie 2017

TEOREMA, Foto: Körber Stiftung / Krafft Angerer

TEOREMA
nach Motiven von Pier Paolo Pasolini
Regie/Bühne Blanka Rádóczy
Theaterakademie August Everding, Hochschule für Musik und Theater München

von Melis Günay

Adrett gekleidete Familie – Vater, Mutter, Sohn und Tochter sowie ihr Dienstmädchen – decken ihren Tisch festlich und warten gebannt an der Tür, als es plötzlich klingelt. Hinein kommt ein charmanter und zugleich provokanter junger Mann, den die Familie mit Faszination und Ungläubigkeit mustert.  Die Familie beginnt zu singen.

Teorema, das klingt nach Theorie und hört sich nach etwas an, das ich noch aus dem Matheunterricht kennen sollte. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um ein wunderbar lebhaftes und witziges Stück. Möchtet ihr ein Schauspiel mit tiefgehenden Dialogen anschauen, so kann ich Teorema nicht empfehlen. Möchtet ihr hingegen mal wieder richtig lachen und tiefgehende Blicke erleben, dann seid ihr hier auf alle Fälle richtig.

Mit extrem charaktervoller Mimik und Gestik und unheimlich viel Witz lernen wir eine gutbürgerliche Familie kennen, die von einem Gast zunächst auf- und nachher immer wieder heimgesucht wird. Er reißt sie aus ihrem Trott und verführt die einzelnen Familienmitglieder nach und nach. Sie bekommen Lust auf ihn und auf das Neue, außerhalb ihres Lebens.

In dem Stück findet die Familie immer wieder Platz an ihrem Tisch. Dort scheint sich zunächst ihr routiniertes Leben abzuspielen. Später, als der Gast ihr Leben durcheinander bringt, wird ihr Zusammensein am Tisch seltener, absurder. Die Musik ist eben so öde und immer-gleich wie ihr Leben. Überkommt die Protagonist_innen die Lust, auszubrechen, ändert sich auch die Musik und die sonst sehr helle Bühne wird dunkel. Ab und zu brechen die Charaktere aus, in ihren Garten. Meist verfolgen sie dabei den Gast. Es scheint als gäbe es draußen, vor ihrer Haustür, eine Parallelwelt voller Versuchungen.

Die Originalerzählung und den Film von Teorema kannte ich vor dem Stück nicht. Dass es überhaupt einen Text bzw. einen Film dazu gibt, habe ich erst hinterher erfahren. Folgen konnte ich dem Stück trotz meiner Unkenntnis, der Wortlosigkeit und des spartanischen Bühnenbildes.

Am Ende des Stückes bin ich mir nicht sicher, ob die Familie gänzlich verrückt geworden sind. Auf ihrem Tisch befinden sich nun Stücke der Pflanzen aus dem Garten. Es scheint als hätten sie ein Stück ihrer Parallelwelt in ihren Alltag gebracht. Auch ich bin in einer Parallelwelt gelandet, die in meinen Alltag eine Stunde ungemein gute Unterhaltung gebracht hat und die ich nur empfehlen kann.

https://www.thalia-theater.de/de/spielplan/repertoire/teorema/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18. Juni 2017 von in Allgemein, Körber Studio und getaggt mit , , , .
%d Bloggern gefällt das: