Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Die Bibel für Ungläubige 2 (Exodus)

"Guus Kuijer: Die Bibel für Ungläubige I" Thalia Theater Nachtasyl

„Die Bibel für Ungläubige“. Foto: Fabian Hammerl

Die Bibel für Ungläubige 2 (Exodus) – Die Geschichte der Tochter Gottes
Guus Kuijer
Mit Oda Thormeyer

von Fabian Starting

Dieses Mal war alles etwas anders – im Nachtasyl. Der zweite Teil der „Bibel für Ungläubige“ fand wieder hoch oben im Thalia Haupthaus statt, doch unter anderen Vorzeichen. Statt wie bei der ersten Lesung die Sitz-Niesche unter dem Fenster zu nutzen, hatten wir diese jetzt im Rücken und blickten auf die gegenüberliegende Wand. Dort war eine hölzerne Plattform als Bühne aufgestellt, keinen halben Meter hoch aber breit genug für 3 Personen mit Musikinstrumenten und Soundtechnik. Nicht nur räumlich gab es Änderungen, sondern auch bei der Form. „Die Bibel für Ungläubige II (Exodus)“ wurde von der Schauspielerin Oda Thormeyer gelesen werden. Die Ereignisse um Moses sollten aus weiblicher Sicht erzählt werden. Entsprechend verschwand Mered aus dem Titel, der nun „Die Geschichte der Tochter Gottes“ hieß.
Begleitet wurde Oda Thormeyer von zwei Musikern, die mit Kontrabass und Posaune nahöstliche Klänge schufen. Mit Hilfe von Loop Pedals und Live Mixing entstand ein vielschichtiges Musikbett, dass an den entsprechenden Stellen den Monolog akzentuierte.
So ansprechend es auch von der Aufmachung war, so blieb es doch inhaltlich hinter meinen Erwartungen aus der letzten Lesung zurück. In Guus Kuijers Exodus-Erzählung schildert uns Tanutes, die Adoptivmutter Mose, den Auszug aus Ägypten als Familiengesichte. Mit den Augen der Mutter wird auf den Kindesfund am Nil, das Heranwachsen des Jungen und die zehn Plagen geschaut. In der Nacherzählung werden zwar sporadisch kritischen Anmerkungen gesetzt, doch bleibt das Alles im Ganzen werkstreu und unhinterfragt. Die Person Moses gibt reichlich Stoff für abendfüllende Unterhaltung, das ist ja seit Cécile B. DeMilles Film „Die Zehn Gebote“ hinlänglich bekannt, doch fügt Guus Kuijer mit seiner Interpretation der bekannten Erzählung nichts grundlegend Neues hinzu. Wenn schon nicht Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“, dann sollte es doch lieber vom Konzept her mehr „Ben Hur“ als „Die Zehn Gebote“ sein. Kuijer löst sich nicht von den Vorgaben des biblischen Originals. „Die Bibel für Ungläubige II (Exodus)“ behandelt auch die Ideen von Opfer und Erlösung, an deren Ende die Bekehrung steht.
Auch täuscht der Titel von der „Tochter Gottes“. Tanutes ist nicht Protagonistin, sondern nur Nebendarstellerin ihrer eigenen Geschichte. Sie existiert nur im Bezug auf ihren berühmten Sohn. Als sie uns Zuschauern dann auch die Episode mit dem brennenden Busch erzählen muss, wird sie endgültig zur Zeugin für Moses Herrlichkeit.
Ein durchwachsener Abschluss der zweiteiligen Lesung der „Bibel für Ungläubige“, bei der mich an diesem Freitag letztlich nur die ästhetische Umsetzung angesprochen hat.

https://www.thalia-theater.de/de/spielplan/repertoire/die-bibel-fuer-unglaeubige-i-ii/

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 7. Februar 2017 von in Allgemein, Lessingtage und getaggt mit , , .
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