Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Der Spieler

"Der Spieler" Thalia Theater

„Der Spieler“ von Fjodor M. Dostojewskij. Regie: Jan Bosse. Foto: Fabian Hammerl

 

von Fjodor M. Dostojewskij
nach dem gleichnamigen Roman in der Übersetzung von Alexander Nitzberg
Regie Jan Bosse

Von Kadija Dastager

Ständig ausverkauft, ein Zeichen für ein gutes Stück? Zieht die Kombination von Regisseur Jan Bosse und Schriftsteller Fjodor Dostojewski die Menschen ins Thalia Theater in die Gaußstraße? Die Erwartungen an diese Inszenierung waren also bereits vor Beginn des Stücks enorm. Die Aufforderung der Mitarbeiter ans Publikum, am Eingang des Theaters seine Mäntel und Taschen an der Garderobe abzugeben, „da es das Stück verlangen würde“, ließ meine Neugier nur noch größer werden.

Endlich schlug die Stunde acht Uhr und das Publikum wurde eingelassen. Ich beglückwünschte mich selbst, dem Reiz widerstanden zu haben, mich vorab in die Inszenierung einzulesen, Kritiken zu überfliegen oder Fotos auf der Homepage des Thalia Theaters anzusehen. Fast meinte man ein Raunen des Publikums beim Betreten der Bühne zu vernehmen und die eben genannten hohen Erwartungen wurden, zumindest was das Bühnenbild angeht, nicht enttäuscht. Die Wände des Theatersaals waren komplett mit langen silbernen Vorhängen bedeckt, in der Mitte der Bühne stand ein Konstrukt aus einer weißen Bar und einem Klavier und wie sich später im Stück herausstellte, auch einem Spieltisch auf dem das vermeintliche Russisch Roulette gespielt wurde. Um diese Konstruktion herum wurden weiße Drehstühle platziert, auf welchen das Publikum Platz nahm. Das Gefühl man befände sich in einer 70er Jahre Disco, wurde durch die an der Decke hängenden Diskokugeln nur noch bestärkt.

Nachdem das Publikum in einem der bequemen Drehstühle Platz gefunden hatte, konnte das Spielen wortwörtlich beginnen. Inhaltlich hielt sich die Inszenierung nah an Dostojewskis Theaterversion des Stücks. Hauptsächlich ging es um die Wahl zwischen Geld oder Liebe. Die Spielsucht des Protagonisten Alexejs Iwanowitsch jedoch „spielte“ sich Dank des Russisch Roulettes im Laufe des Stücks immer mehr in den Vordergrund. Die diversen Stadien der Spielsucht Alexejs wurden durch das beeindruckende Schauspiel von Sebastian Zimmler deutlich.

Für Alexej, den zunächst braven und unsterblich in die Polina verliebten Hauslehrer des Generals, der später zum Zocker und Lebemann wird, kann man am besten Mitgefühl entwickeln. Alexej ist schließlich nicht wie der General auf das Ableben der reichen Tante angewiesen und wirkt daher nicht besonders verwerflich. Die anderen Figuren bleiben ihren anfänglichen Charakterschwächen treu und erleben keine weitere Entwicklung. Die reiche Tante ist übrigens ein richtiges Original und sorgt im Stück für die Lacher obschon die Thematik der Spielsucht gar nicht sonderlich melodramatisch in Szene gesetzt wird. Die reiche Tante oder Polinas Babuschka betont die russische Seele des Stücks und fällt für einen Moment in sympathische Stereotypen.

Die Irrungen und Wirrungen um das Geld und die Liebe der Figuren hingegen erwecken kein großes Mitleid in mir. Vielleicht liegt es an dem vordergründig silbern und weiß gehaltenem Bühnenbild, das eine innere klinische Kühle in mir hervorruft. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass jedes Mal wenn der Croupier ein „Zero“ herausstößt, ich gehofft habe, dass die reiche Tante oder Alexej doch noch aussteigen würden und Roulettenburg mit ein wenig Würde oder Hoffnung verlassen würden.

Schließlich gewinnt die Sucht aber und erst als wirklich alles verloren ist oder nichts mehr zu holen ist, verlassen die Figuren das Casino und man wird das Gefühl nicht los, dass die Figuren sich selbst zu Grunde gerichtet haben.

Die Inszenierung wurde also auch den Erwartungen gerecht, besonders hervorzuheben ist der Perspektivwechsel des Publikums innerhalb des Stücks. Anfangs sitzt das Publikum auf der Bühne und verfolgt die einzelnen Teile der Handlung in der Funktion Spiegel der Gesellschaft von Roulettenburg. Nach der Pause sitzt das Publikum wieder klassisch den Figuren auf der Tribüne gegenüber und kann den Prozess des Alexejs vom unglücklich Verliebten zum von der Spielsucht Gejagten frontal zusehen.

Die Spieler bietet einen unterhaltsamen Theaterabend mit leichter nachdenklicher Note und vielen schönen Bildern.

Premiere am 27. November 2016 im Thalia Gaußstraße

https://www.thalia-theater.de/de/spielplan/repertoire/der-spieler/

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 13. Januar 2017 von in Allgemein, Premierenblog und getaggt mit , , , , .
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