Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Der Schimmelreiter

"Der Schimmelreiter" Thalia Theater

Der Schimmelreiter
von Theodor Storm
Regie Johan Simons

von Tjorven Hamdorf

Sie schildern von einer Zeit, als Blut wie Regen vom Himmel fiel und Angst und Grauen über das Land zogen. In schwarzer, feiner Trauerkleidung stehen die Dorfbewohner um die beiden Erzählenden herum. Der Deichgraf Hauke Haien (Jens Harzer) und die alte Magd Trien Jans (Barbara Nüsse) übernehmen die Rolle des Schulmeisters, der in Theodor Storms Novelle die tragische Geschichte des Deichgrafen erzählt.

Diese Szene wird sich an dem Abend noch siebenmal wiederholen.

Das Meer rauscht, die Kirchenglocken läuten ab und zu.  Ansonsten herrscht bedrückende Stille. Hauke, ein Knecht, doch ehrgeizig und mit großen Visionen, tritt in den Dienst des Deichgrafens ein. Er fühlt sich zu der einzigen Tochter des alten Mannes hingezogen. Elke stimmt einer Verlobung zu, jedoch muss Hauke sich bis zum Tod des Vaters gedulden. Bis dahin trägt sie den Ring an einer Kette um den Hals.

Als es schließlich soweit ist, will sie niemand anderen als den reichsten Mann des Dorfes heiraten und so überträgt sie Hauke schon vor der Eheschließung ihren gesamten Besitz. Damit verfügt Hauke neben der Erfahrung und seinem Wissen über den notwendigen Grundbesitz, um das ehrenhafte und machtvolle Amt des Deichgrafens einnehmen zu können. In einem erbitterten Kampf gegen die Sturheit und den Aberglauben der reaktionären Dorfbewohner, lässt er einen neuen, besseren Deich bauen. Stolz erklärt er, dieser Hauke-Haien-Deich soll hundert Jahre halten!

Die stolzen Persönlichkeiten im Dorf bringen ihn allerdings immer wieder zum Verzweifeln. Es geht um nichts Geringeres als die Macht im Dorf. Hauke wird  vorgeworfen, dass Amt des Deichgrafen schlecht zu walten. Nicht nur das, Gottesfürchtigkeit fehle ihm und Teufelsunfug sei der Bau des neuen Deichs!

Als schließlich ein schwerer Sturm aufkommt und die Menschen beten, der Herr solle gnädig mit ihnen sein, gibt der neidende Großknecht Ole den Bauern den Befehl zum Durchstich den neuen Deichs. Doch das Unglück nimmt seinen Lauf, der alte Deich kann die Naturgewalt nicht tragen. Schreie sind im Dorf zu hören, wie nur die Todesangst einem Menschen entreißen pflegt.

Die Flut, fähig, Tier und Mensch zu begraben, bricht auf das Dorf ein. Hauke muss zusehen, wie seine Frau und sein Kind von der stürzenden Wassermasse mitgerissen werden.  Verzweifelt und erschüttert gibt er sich selbst die Schuld für den Tod seiner Familie. Dröhnende Rockmusik erfüllt den Theatersaal. Hauke Haien zieht sich aus.

Splitternackt steht er da, am Boden die reglose Frau und das Kind, der Deich hinter ihnen wird langsam aufgerichtet. Das Licht geht aus.

Was sich der viel gerühmte Regisseur Johan Simons bei der Abschlussszene gedacht hat, erschloss sich wohl den meisten nicht. Bemerkenswerte drei Stunden lang vermochte er jedoch, das Publikum nicht nur zu unterhalten, sondern auch mitzureißen. Dabei bliebt die Novelle Storms erhalten, auch wenn Simons eine deutliche Reduzierung der Handlungen vorgenommen hat. Die sechs Schauspieler fesselten mit ihrer Verkörperung der nordischen Küstenbewohner und zeichneten ein klares Bild, wie auch schon Storm, von einem Leben in einer Zeit zwischen Aberglaube und Aufbruch in die Moderne.

Premiere am 25. November 2016 im Thalia Theater

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28. November 2016 von in Allgemein, Premierenblog und getaggt mit , , , .
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