Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Pygmalion

"Pygmalion"  Thalia Theater

Pygmalion nach George Bernard Shaw. Regie Tiit Ojasoo & Ene-Liis Semper. Foto: Krafft Angerer

Von Tjorven Annabell Hamdorf

Auf einer Halfpipe flitzen sieben fein, in Pastelltönen gekleidete Leute hin und her, rauf und runter. Elegant sieht das aus. Die scheinbare Ordnung wird jäh durchbrochen als ein Fremder die Bühne und damit ihre Welt betritt. Der junge Mann Eliza bittet darum, von der berühmten Dr. Higgins unterrichtet zu werden. Sogar bezahlen will er. Zunächst scheint die Professorin alles andere als begeistert, bis Pickering ihr eine Wette vorschlägt. Ob sie aus Eliza einen anständigen, „richtigen“ Menschen machen kann? Nun ja, denkt sich Dr. Higgins. Der Junge gehört schließlich niemandem, außer ihr kann ihn keiner gebrauchen. Einen Herzog wird sie aus ihm machen!

Als Eliza von ihren Plänen hört, bekommt er wohl eine böse Vorahnung von dem, was ihm erwarten wird. Ihm bleibt glatt die Luft weg. Er stottert, versucht doch noch einen Rückzieher zu machen. Es sei sein Fehler, Gott sei Dank sei noch nichts Schlimmes geschehen! Man könne sein Angebot einfach vergessen! Doch es ist zu spät, die Idee hat bereits Form angenommen. Eliza wird gewaschen und ebenfalls in ein rosafarbenes Kleidchen gesteckt. So leicht kommt Eliza da anscheinend nicht mehr raus. Er wird über die nächste Stunde hinweg Teil dieser merkwürdig affektierten Welt, die so an unsere eigene erinnert, lernt Smalltalk zu halten und die anderen mit Küsschen auf den Wangen zu begrüßen. Wir lernen dabei: Man muss aufpassen mit dem, was man sich wünscht!

Auch Prof. Higgins zweifelt an dieser gezwungenen Höflichkeit und fragt, was wäre, wenn wir das sagen würden, was wir wirklich denken? Doch für diese Unanständigkeiten, die dann ans Tageslicht kämen, sei die Welt wohl nicht bereit, stellt sie nüchtern fest. Im Grunde genommen wären wir alle Wilde. Was wüssten wir schon von Kunst, Wissenschaft und Dichtung!

Diese oft amüsanten und auch lehrreichen Szenen werden leider von in die Länge gezogenen, sich dahinschleppenden Passagen verdrängt. Das Publikum wird merklich unruhig und ist teilweise offensichtlich gelangweilt. Das Ende kommt abrupt und unerwartet. Während „The End“ von the doors spielt, frage ich mich, ob das schon alles gewesen sein soll. Viele spannende Aspekte und Fragen sind aufgeworfen, doch nicht weiter verfolgt worden. Dabei fing „Pygmalion“ verheißungsvoll an. Schade!

http://www.thalia-theater.de/de/spielplan/repertoire/pygmalion/

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 21. März 2016 von in Allgemein, Premierenblog und getaggt mit , , , .
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