Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Schnee

Schnee von Orhan Pamuk Regie Ersan Mondtag Premiere Thalia Gaußstraße am 25. Februar 2016

Foto: Armin Smailovic

Von Özlem Alagöz-Bakan

„Yoksulluk ya da çaresizlik değildi içine bu kadar işleyen; şehrin her yerinde, fotoğrafçı dükkânlarının boş vitrinlerinde, kâğıt oynayan işsizlerle tıkış tıkış kalabalık çayhanelerin buzlu camlarında, karla kaplı boş meydanlarda daha sonra hep göreceği tuhaf ve güçlü bir yalnızlık duygusuydu. Sanki burası herkesin unuttuğu bir yerdi ve kar sessizce dünyanın sonuna yağıyordu.“  (Orhan Pamuk 2002, Kar, S.6)

Am Ende ist man nur ratlos und fragt sich wozu das Ganze. Wozu die Glaubenskriege? Wozu das Morden und Töten? Wieso die Unterdrückung von Menschen? Wieso so viel Hass?
Fragen auf die das Stück uns keine Antworten gibt, aber uns wieder auf diese vergessenen Fragen bringt. Es passieren schreckliche Dinge auf der Welt. Menschen sterben, nur weil sie Freiheit und sich würdevolles Leben wünschen. Sie wählen den Freitod oder werden ermordet.

Die niederschlagende Stimmung wird besonders in der Schlussszene deutlich, die sieben Figuren sitzen alle an einem großen Tisch und wissen nicht wie es weiter gehen soll.  Die Zuschauer sind etwas über das lange Schweigen der Figuren irritiert. Ist das Stück zu Ende oder kommt noch was?  Aber was soll noch kommen?

Die Adaption des Romans „Schnee“ von dem türkischen Nobelpreisträgers Orhan Pamuk ist Ersan Mondtag gelungen. Das Stück gibt nicht den gesamten Inhalt wieder, sondern thematisiert den Hauptkonflikt zwischen Religiosität und Laizismus, der auch in Pamuks Roman allgegenwärtig ist. In dem Stück geht es aber vielmehr um gesellschaftliche Radikalisierungsprozesse und die Unterdrückung von kopftuchtragenden Frauen, die von Staat ausgeschlossen werden sollen. Frauen, die von Bildung ausgeschlossen werden, weil sie in öffentlichen Bildungseinrichtungen kein Kopftuch tragen dürfen und gezwungen werden Perücken zu tragen.  Tatsächlich war das vor ca. zehn Jahren in der Türkei noch Realität.
In dem Stück finden wir ein sieben köpfiges Kollektiv, die schwarze Kleider und blonde Perücken tragen. Sie spielen keine einzelnen Figuren, sondern wechseln von Figur zu Figur oder sind nur einzelne Stimmen. Was sie zu einem Kollektiv macht, ist ihr Kampf gegenüber der Unterdrückung von kopftuchtragenden Frauen. Das wiederrum führt zu einer Radikalisierung. Wir sehen hier wie von Unterdrückung und Hass wieder Hass erzeugt wird. Ein Teufelskreis, der jeden ratlos und unglücklich macht. Was kann jeder einzelne von uns dagegen machen?

http://www.thalia-theater.de/de/spielplan/repertoire/schnee/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 26. Februar 2016 von in Allgemein, Premierenblog.
%d Bloggern gefällt das: