Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Gott und die Welt und ich – Am Anschlag

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Von Danja Duta

In lauten und leisen Szenen erzählen uns 19 Jugendliche, die einst selbst aus verschiedenen Ländern zugewandert sind, von ihrer Geschichte der Flucht und führen uns durch die schrecklichen Erlebnisse, die damit oft verbunden sind. Wir erleben, wie es sich anfühlt, einen kleinen Rucksack mit dem Nötigsten zu packen und in die Ungewissheit der Ferne los zuziehen.

Die Garage des Thalia in der Gaußstraße ist eine sehr kleine Bühne. Vielleicht fühlt man sich gerade deshalb den Menschen umso näher, die auf der Bühne stehen, während sich ihre persönliche Hoffnung nach einem neuen Leben in Hilflosigkeit und der Angst vor Ablehnung verwandelt. Vorurteile, die ständigen komplizierten Behördengänge, Einsamkeit und irgendwie immer das Gefühl vielleicht einer zu viel zu sein, der Schutz vor Krieg und Missständen suchte sind die ständigen Begleiter ihrer Flucht und Ankunft.

In einer Szene finden wir uns auf einem Boot wieder, auf dem Menschen schreien und herumgeschleudert werden, während Blitze und Donner den Raum mit Angst und Schrecken füllen. Dann ist es plötzlich still und alle Passagiere, die eben noch durch den Raum gewirbelt wurden, liegen regungslos auf dem Boden. Man sieht, wie sich der Lichtstrahl einer Taschenlampe in der Dunkelheit den Weg zu den Gesichtern bahnt. „Bleiben Sie ruhig, Hilfe kommt gleich!“, ruft eine laute Stimme. Nach einigen Minuten geht das Licht an. Die Passagiere stehen auf und schauen sich um. „Wo ist die Hilfe? Kommt die Hilfe noch?“ richtet sich ein Mädchen hoffnungsvoll an das Publikum. Viel zu spät wird der Rettungsring schließlich ausgeworfen. Ein einziger, rot-weiß gestreifter Rettungsring, der lieblos und unvermittelt zu Boden fällt.

Auch die dritte Produktion des Jugendtheaterprojekts „Gott und die Welt und Ich“ geht unter die Haut. Als ich die Garage nach der Vorstellung verlasse, ist es kalt draußen und es regnet. Ich bin froh, jetzt schnell nach Hause zu kommen, in meine warme, gemütliche Wohnung. Das Theaterstück hat mir einmal mehr gezeigt, welch großes Privileg es ist, solch ein Zuhause zu haben, in einer Zeit in der Millionen von Menschen auf der Flucht sind.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 1. Februar 2016 von in Allgemein, Lessingtage.
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