Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Früchte des Zorns

Früchte des Zorns
von John Steinbeck
Regie Luk Perceval

Premiere 23. Januar 2016 am Thalia Theater

Foto: Armin Smailovic

Von Ormina Maschal

Gespannt war ich auf das Stück, welches die Migrationsgeschichte einer Familie aus den USA der 1930er Jahre erzählen sollte. Während der Großen Depression flüchtet Familie Joad über die Route 66 nach Kalifornien und hofft Arbeit zu finden auf den dortigen Fruchtplantagen.

Voller Euphorie noch einen Parkettplatz ergattert zu haben, begab ich mich auf meinen Sitzplatz um festzustellen, dass meine Sicht durch eine deutlich größere Sitznachbarin mit vollem Haar etwas eingeschränkt sein würde. Der erste Funken Zorns des Abends entflammte.

Die Bühne war mit Laub bedenkt und weitere Laubblätter rieselten von oben herab. Es war offensichtlich Herbst als die Familie beschloss nach Kalifornien aufzubrechen. Zum Winter wolle man schließlich dort sein und in einem Haus leben.

Von dem internationalen Ensamble wurde nur ein Teil der Familie Joad besetzt, andere Familienmitglieder waren nur imaginär auf der Bühne, sowie Großmutter, Großvater und Connie, der Vater des noch ungeborenen Kindes von Tochter Rose. Die Verwandschaftsverhältnisse ließen sich teilweise nur erahnen.

Während der Reise nach Kalifornien starbt erst Großvater. Von Trauer nicht viel Spur, allerdings viel Zorn. Als die Familie fast am Ziel ankam, holte der Tod auch Großmutter ein. Wieder war recht wenig Trauer zu vernehmen. Aber der Zorn kam auf der Bühne nicht zu kurz. Auch als die Familie endlich in Kalifornien angekommen ist. Denn sie fanden weder Haus noch Arbeit und stießen auf Fremdenfeindlichkeit.

Tochter Rose durchlebte während ihrer Schwangerschaft nicht nur die anstrengende Reise, den Tod ihrer Großeltern, auch der Vater ihres Kindes ist davongelaufen.
Nach einer schweren Geburt, kam das Kind von Rose schließlich tot zur Welt. Eine Frucht des Zorns.

Der Applaus am Ende der Premiere fiel recht bescheiden aus. Obwohl es dem Ensamble gelungen ist Zorn auf der Bühne entstehen zu lassen, so war am Ende eins klar: Aus Zorn kann nicht gutes entstehen. Kein gesundes Kind, kein gutes Zusammenleben, kein großer Applaus.

http://www.thalia-theater.de/de/spielplan/repertoire/fruechte-des-zorns/

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 26. Januar 2016 von in Allgemein, Premierenblog.
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