Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Besuch bei Mr. Green

Besuch bei Mr. Green, Thalia Theater
Foto: Krafft Angerer

Von Ormina Maschal

Gestern Abend war ich zu Besuch bei Mr. Green. In seiner bescheidenen Ein-Zimmer-Wohnung, auf der Bühne der Garage in der Gaußstraße, in welcher sich das gesamte Stück abspielte und wurde Zeugin einer Freundschaftsgeschichte.

Die Wege des 86-jährigen Mr. Green und des jungen Harvard Absolventen Ross Gardiner kreuzen sich, als Ross beinahe Mr. Green auf den Straßen von New York überfährt. Als Genugtuung für das begangene Unrecht, wird Ross vom Gericht zu einer Bewährungsauflage verurteilt: Jeden Donnerstag hat sich Ross nun um den alten Green zu kümmern.

Ross meint es gut mit dem verwitweten Mr. Green. Er bringt ihm warmes Essen und seine Post vorbei, hilft ihm beim Aufräumen und Putzen. Mr. Green scheint von seinem Donnerstagsbesuch nicht angetan zu sein und die Hilfe empfindet er zum Teil als lästig. Einzig Ross´ Gesellschaft beim Essen schätzt der Witwer, da er nicht gern alleine speist. So freut sich der praktizierende Jude Green während eines Essens zu erfahren, dass auch Ross jüdischen Ursprungs ist. Weniger erfreut ist er hingegen, als Ross beim Essen aus Versehen ausplaudert, dass er homosexuell ist.

Für seine sexuelle Orientierung erntete Ross bereits bei seinen Eltern kein Verständnis. Er ging deshalb die letzten vier Jahre keine Beziehung ein und steht öffentlich nicht zu seiner Homosexualität. Als er auch bei Mr. Green auf Unverständnis stößt, ist Ross aufgebracht und meint, dass Homosexuelle eben so viel gesellschaftlichen Verstoß erleiden mussten wie Juden. Daher müssten gerade Juden verstehen, was es für Homosexuelle heißt, diskriminiert und benachteiligt zu werden, für etwas, was einem angeboren ist.

Doch Homophobie ist nicht Greens einzige Baustelle. Als Greens Tochter einen Christen heiratete, verstieß er sein einziges Kind.

Die Begegnung mit Ross hilft Green, seine Vorurteile abzubauen und zu erkennen, dass er trotz Kontaktabbruchs nie aufgehört hat, an seine Tochter zu denken. Green lernt, sich von seinen religiösen Tabus zu lösen und zu seiner Tochter zu stehen, während Ross lernt, öffentlich zu seiner Homosexualität zu stehen.

Obwohl Mr. Green und Ross aus vermeintlich demselben Kulturkreis stammen, sind sie doch in unterschiedlichen Wertesystemen gefangen, in jenen ihrer Generationen. Akzeptanz und gegenseitiges Verständnis helfen ihnen, daraus auszubrechen. Zum Schluss verbringt die `Zweckgemeinschaft` auch an einem Sonntag gemeinsam Zeit.

http://www.thalia-theater.de/de/spielplan/repertoire/besuch-bei-mr.-green/

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18. Januar 2016 von in Allgemein, Premierenblog.
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