Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Verbannte

EXILES von James Joyce Münchner Kammerspiele, Schauspielhaus, 2014

Von Jennifer Krüger

Endlich Applaus. Endlich Bewegung. Und endlich wird diese ewige Grübelei aufgelöst.

Luk Perceval inszeniert „Verbannte“ von James Joyce. Es geht um vier Menschen, die sich in ihrem gemeinsamen, selbstgeschaffenen Netz aus Abhängigkeiten verheddert haben. Bewegt sich einer, bewegen sich alle. In Zeitlupe. Und niemals wirklich von der Stelle. Ein langsamer Schritt vor, einer zurück. Das wird sehr schnell sehr anstrengend.

Zunächst interessiert mich diese Langsamkeit. Sie hat etwas Meditatives, fordert Aufmerksamkeit und genaue Beobachtung. Es entsteht ein ungewöhnliches Bewusstsein für das Geschehen auf der Bühne. Die einzelnen Bilder kommen wirklich bei mir an. Jede Bewegung, jeder Blick ist genau gesetzt. Es gibt lange Pausen. Stille. Jedes Wort ist sorgfältig ausgewählt, hat viel Raum. Und bekommt dadurch eine absurde Bedeutungsschwere.

Bald wird klar, dass die Figuren in ihrer Unentschlossenheit gefangen sind. Sie haben sich bis in die Handlungsunfähigkeit gedacht und stecken jetzt fest. Der Schmerz wird unterdrückt. Jede Empfindung ist gehemmt, ausgebremst. Die Figuren sind vollkommen verschlossen.

Luk Perceval interessiert genau diese sehr menschliche, leidvolle Erfahrung. Die Qual der ewigen Sehnsucht. Ihm gefällt, dass das Stück keine Auflösung gibt.

Mir fehlt die Auflösung. Es wird keine Möglichkeit gegeben, mitzufühlen. Zu Verstehen. Es gibt keinen Einblick in das Innere dieser Menschen. Die Verschlossenheit stimmt mich erst traurig. Dann verliere ich das Interesse.

http://www.thalia-theater.de/de/spielplan/repertoire/verbannte/

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 14. Dezember 2015 von in Allgemein, Premierenblog.
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