Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Kasimir und Karoline – Glauben Lieben Hoffen

"Kasimir und Karoline" Thalia Theater
Von Yen Dieu Pham

„Das Scheitern ist das große moderne Tabu“
So bitter wie der Titel dieses Beitrages im Programmheft auch klingt, so bitter empfand ich zunächst auch das Stück. Ich hatte z.T. den Eindruck mit Themen konfrontiert gewesen zu sein, die mir zu platt und zu klischeehaft erschienen.
Bei „Kasimir & Karoline“ wurde zur Abwechslung mal die Rolle der Frau in der Gesellschaft ausgehend beleuchtet. Die Frau wurde u.a. als Sozial-Status-Erhöhen-Wollendes Weib dargestellt, aber auch als Kapitalismusopfer, Tauschware, frustrationsaggressive Exhibitionistin, sowie vom Leben gezeichnete und an der Jugend festhaltende Alte, die anderen Ratschläge erteilt, aber nicht selbst aus ihrem Leben lernen kann.
Die Darstellung der Figuren war (wie immer) ausgezeichnet, doch irgendwie konnte mich das Stück am Donnerstag nicht ganz überzeugen. Vielleicht auch weil ich es so Leid bin zu hören, wie ungerecht das westliche Leben doch sei und die hier aufgezeigten Gesellschaftsbilder mir so unoriginell vorkamen.
Doch nach mehrtägigem Bedenken und einer gewissen Recherchearbeit, stellte ich verblüfft fest, dass das Stück schon über 80 Jahre alt ist. Daher muss ich dem Stück schon eingestehen, dass es zwar keine neuen oder bisher vernachlässigten Themen ansprach, aber mit seinem stolzen Alter ein recht aktuelles Lebensgefühl wiedergab. Auch wenn sich in den letzten 80 Jahren so einiges gesellschaftlich geändert hat und uns viel mehr Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung zur Verfügung stehen, was zugegebenermaßen Segen und Fluch zugleich sein kann, gelingt es uns dennoch weiterhin die zuvor beschriebenen Gestalten immer wieder hervor zu bringen.
Ich bereue die 3 Stunden am letzten Donnerstagabend keineswegs, jedoch weiß ich nicht, ob ich das Stück weiter empfehlen würde. Denn ich kann nicht sagen, ob der bittere Nachgeschmack davon herkam, dass ich mir womöglich nicht eingestehen kann, dass nicht das Stück aus unoriginellen Klischees und den üblichen Ungerechtigkeiten besteht, sondern dass einfach das Leben aus nichts anderem bestehen könnte als unoriginellen Klischees und nicht ändern wollenden Ungerechtigkeiten.

http://www.thalia-theater.de/de/spielplan/repertoire/kasimir-und-karoline–/

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30. November 2015 von in Allgemein, Premierenblog.
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