Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Liebe. Trilogie meiner Familie 1

Foto: Armin Smailovic

Von Özlem Alagöz-Bakan

Zwei Familien – ein Schicksal?

„Ich habe den verhängnisvollen Verfall einer Arbeiterfamilie in dem verpesteten Innern unserer Vorstädte schildern wollen. Am Ende der Trunksucht und des Müßigganges steht eine Erschlaffung der Familienbande, ein Versinken im Schmutz, ein fortschreitendes Abnehmen jeder ehrenwerten Empfindung und schließlich als Lösung die Schande und der Tod.“ Emile Zola

In der Inszenierung „Liebe. Trilogie meine Familie I“  verarbeitet Luk Perceval Teile von Emile Zolas 20-bändigen Romanzyklus und schafft es diese auf eine beeindruckende Art auf die Bühne zu bringen. In dem Stück treffen wir auf zwei Familiengeschichten, die auf der Bühne parallel erzählt werden. Was diese Familien verbindet, ist eine weite Blutsverwandtschaft, die auf eine gemeinsame Urahnin „Tante Dide“ zurückzuführen ist.

Im Fokus des einen Familienstranges steht Doktor Pascal Rougon alias Stephan Bissmeier, der mit seiner Nichte und seiner Haushälterin ein zurückgezogenes Leben führt. Er forscht im Bereich der familiären Vererbung. Er ist ein großer Verfechter der Wissenschaft und ist davon überzeugt, dass er mit seiner Forschung eines Tages die Gesundheit und das ewige Glück eines Menschen beeinflussen kann. In seinen Forschungen wird er von seiner schönen Nichte begleitet. Pascal ist ein Enkel von Tante Dide. In Kontrast zu dem gutbürgerlichen Leben von Doktor Pascal wird die Lebensgeschichte von der Wäscherin Gervaise Macquart alias Gabriela Maria Schmeide vorgestellt. Diese ist die Tochter des unehelichen Sohns von Tante Dide. Von einem ruhigen Leben kann man bei ihr nicht sprechen. Sie ist lebenslustig und eine harte Arbeiterin. Sie schafft es von der einfachen Wäscherin zu einer eigenen Wäscherei. Ihr Liebesleben dagegen erscheint etwas kompliziert. Mit drei Kindern, einem Ehemann, einem Exmann und Liebhaber hat sie es nicht immer leicht. Nach und Nach beginnt das Familienglück von Doktor Pascal und der Wäscherin Gervaise einen schrecklichen Verlauf anzunehmen. Inzest, Ehebruch, Missbrauch beschatten das Glück. Doktor Pascal geht eine Liebesbeziehung mit seiner Nichte ein. Gervaise lässt sich von Männern verführen und verliert schließlich die Wäscherei. Ihre Tochter wird von ihrem Exmann missbraucht und prostituiert.  Auch Doktor Pascal verliert sein ganzes Geld und muss sich schließlich von seiner Geliebten treffen. Am Ende bleibt nichts mehr von den Familien übrig. Auf eine sehr eindrucksvolle Weise wird das gemeinsame Schicksal, der ungleichen Lebensverlaufe der beiden Familien auf die Bühne gebracht. Bühnenbild und Zusammenspiel der Schauspieler ist beeindruckend. Das Bühnenbild in Form einer wellenförmigen Gießanlage spiegelt den Aufstieg und Fall der Protagonisten wieder. Nichts scheint beständig zu sein. Die Protagonisten klettern, rutschen und stürzen immer wieder. Ein weiteres Merkmal an dem Bühnenbild ist, dass ein langer Strick hängt, an dem die Protagonisten sich hochziehen oder schaukeln.

Ist das wohlmöglich der Schicksalsfaden?  Oder doch alles nur eine Frage der Vererbung?

Mich hat die Inszenierung sehr beeindruckt, da sie auf eine sehr amüsante und einfache Art den schweren Stoff Zolas transportieren konnte.

http://www.thalia-theater.de/de/spielplan/repertoire/liebe.-trilogie-meiner-familie-1/

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28. September 2015 von in Allgemein, Premierenblog.
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