Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Die Dreigroschenoper

Foto: Armin Smailovic

Von Tjorven Hamdorf

„Zuschauer ohne Imaginationskraft können gleich Nachhause gehen.“ Was für ein herzlicher Empfang am Thalia Theater! In blauen Arbeiterlatzhosen, mit qualmender Zigarette im Mund bildet Peachum, der sogenannte Bettlerkönig, einen Schauspieler zum Bettler aus. Der junge Mann bekommt beigebracht, wie man das Mitleid der Bürger erregt. Und dies ist eine Kunst für sich: „Wenn ihr nicht arbeiten könnt, könnt ihr nicht betteln!“. Mit „protestantischer Stimme“ korrigiert er Aussprache und Tonfall des angehenden Bettlers immer wieder, das Publikum amüsiert sich köstlich. Doch Peachum hat es nicht leicht. Seine Tochter Polly heiratet heimlich den weitschauenden und erfolgreichen Straßenräuber Macheath, mit dem er sich im Konkurrenzkampf um die kriminelle Oberhand Londons befindet. Als die Eltern von der Hochzeit erfahren sind sie außer sich, und der daraufhin ausbrechende Streit könnte sich auch im Jahre 2015 ereignet haben. Polly versucht ihre Eltern davon zu überzeugen, bei Mackie Messers Bande handle es sich um Banditen, die alle ausnahmslos außerhalb ihres Berufs total umgänglich seien.  Doch die Peachums schmieden schon an dem Plan, wie sie Mackie an den Galgen bringen können. Schließlich besticht Celia Peachum die Prostituierte Jenny, Mackie zu verraten, sobald dieser bei ihr auftaucht. Der untreue Ehemann lässt die leichten Mädchen nicht lange auf sich warten, und so nimmt das Schicksal schon einen Tag nach Mackies Vermählung mit Polly seinen Lauf. Jenny liefert Mackie aus, er wird verhaftet und kommt in die Todeszelle. Damit wir wenigstens in der Oper sehen, das Gnade vor Recht ergeht, erscheint kurz vor seiner  Hinrichtung ein auf einem (tatsächlich echten) Apfelschimmel reitenden Bote der Königin, die Mackie anlässlich ihrer Krönung begnadigt und mit einer großzügigen Rente von 10.000 Kronen bis ans Lebensende beschenkt. Und damit nicht genug: Der Räuber wird sogar in den Adelsstand erhoben. Denn das Recht des Menschen ist es, glücklich zu sein, und nur wer den Wohlstand lebt, lebt angenehm. An Weisheiten mangelt es an diesem Abend nicht. Mit der Empfehlung, Unrecht nicht allzu sehr verfolgen, endet eine großartige Premiere. Beeindruckende schauspielerische und gesangliche Leistung werden dem Publikum in Erinnerung bleiben! Mit der Dreigroschenoper bekannt zu sein, ist nicht unbedingt notwendig. Auch ohne die Handlung zu kennen, fällt es nicht schwer, Antú Romero Nunes Inszenierung zu folgen und man darf sich auf einen vergnüglichen Abend mit vielen komischen Szenen und ergreifenden Gesangseinlagen freuen.

http://www.thalia-theater.de/de/spielplan/repertoire/die-dreigroschenoper/

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 14. September 2015 von in Allgemein, Premierenblog.
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