Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Das Käthchen von Heilbronn

Das KŠthchen von Heilbronn, Thalia Theater

Foto: Krafft Angerer

Von Leyla Yenirce

Ich kann nicht mehr ins 18.Jahrhundert gehen – ein Wunschzettel an Bastian Kraft

Ein wenig ratlos. 15 Stunden nach der Stück sitzend vor einem leeren Blatt Papier oder einem weißen Display. Habe ich gestern Nacht etwas verpasst? Ist mir eine Meta-ebene entgangen, die ich nicht erfassen konnte?

Ich habe Kleist das erste Mal in der 11. Klasse gelesen und kennen gelernt. Im Zentralabitur war er zum 200-jährigen Jubiläum das Thema aller niedersächsischen NachwuchsgermanistInnen. Während der zwei Jahre meines Abiturs haben wir den kleinen unsicheren Jungen durchexerziert, seine Briefe analysiert, seinen Werdegang durchdrungen. Von der Verwerfung der Wissenschaft bis zur ersten Sinnkriese. Seine kleinen rosa Wängchen standen für mich symbolisch für seinen verletzlichen aber doch pfiffigen Charakter. Der Autor, der in ellenlangen wunderschönen Briefen seine Schwester um Geld anbettelt, damit er weiter rumreisen und dem Sinn seines Schaffens auf die Spur kommen kann. Die ewig verwirrende Syntax, die einem beim Lesen kaum Luft holen lässt und die subjektive Wahrheit, die nach der Lektüre Kants nie mehr hätte objektiv sein können. Ich habe viel von Kleist mitgenommen als junge Schülerin, die selbst gerade noch ihren Weg durch die Wahrheit, der Wissenschaft und den Künsten sucht. Ich habe viel über seine Zerwürfnisse, Ängste, Erwartungen vom Leben und seinen überaus dichten Briefen nachgedacht. Der zerbrechliche Kleist und sein sprengstofflastiger Geist, die mich in den Jahren begleitet haben, in denen sich mein eigener Sprengstoff gerade dabei befand, sich zu bilden und es immer noch tut.

Vielleicht auch einer der Gründe, weswegen ich immer wieder gerne und gespannt zu einer Kleist Inszenierung gehe. Ich erinnere mich an meine Schulzeit zurück, meine Gedanken, die auf seine stießen und die Bedeutung, die er in meiner frühen Jugend gespielt hat. So betrat ich das Theater am Samstag Abend und war ein wenig vor den Kopf gestoßen. Die Interpretation hat mir gefehlt. Die weiße Projektionsfläche auf der Bühne wirkte exemplarisch wie die Inszenierung selbst; eine Übertragung seiner Literatur auf Menschen, die den Text halt vortragen. Mehr konnte ich leider nicht finden. Auf der Suche nach Meta-ebenen, die mich vielleicht noch auf eine spannende Fährte der Inszenierung führen, habe ich mich durch lange Monologe, zu viel Geschrei und unklare (Traum-)Welten gekämpft, um mich am Ende zu verlaufen. Hmmmmm.

Über Theater zu schreiben, bedeutet auch darüber nachzudenken, warum wir das überhaupt tun. Schreiben wir, weil wir andere Menschen zerfleischen oder in den Himmel loben wollen? Schreiben wir, weil wir einen exemplarischen  Ausschnitt unserer Meinung oder unseres Ausdrucksvermögen Preis geben wollen? Oder schreiben wir, weil wir die Welt ein bisschen besser machen wollen, in dem wir anderen produktive Kritik anbieten?
Wenn ich eine Kritik schreibe, denke ich darüber oft darüber nach, warum es jetzt wichtig ist, meine Meinung zu dem Stück Publik zu machen. Was hat meine Reflexion für einen Wert?

Vielleicht hat es denjenigen Wert, dass ich in dieser Textform äußern kann, was ich mir mehr von Bastian Kraft gewünscht hätte. Auf meinem Wunschzettel hätte dann wahrscheinlich gestanden, dass ich gerne mehr nachgedacht hätte, während ich im Stück saß und nachdem ich es verließ. Wahrscheinlich hätte ich auch aufgeschrieben, dass ich mir einen höheren Zugang zu dem Stück gewünscht hätte, der mir zeigt, warum es wichtig ist, den Stoff so noch auf die Bühne zu bringen statt eins zu eins den Text runterzuspielen. Ich hätte mir gewünscht, dass die Suche nach Ebenen, die wasauchimmer zeigen, einfacher gewesen wäre.

Nichtsdestotrotz ist dies mein Wunschzettel. Für jede andere Person kann dieser anders aussehen oder im besten Fall sogar leer stehen. Für mich jedoch war er nach der Inszenierung von ziemlich vielen Punkten beladen, von denen ich mir den ein oder anderen gerne weggewünscht hätte. . Hmmmm.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. Februar 2015 von in Allgemein, Premierenblog.
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