Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Maidan Tagebücher

Preview_Lessingtage_2015_Bruns-10

Regisseur Andriy May

Von Catalina Suchomel

„Würden Sie zuschlagen?“

Würden Sie zuschlagen, wenn jemand im Begriff ist, Gewalt an Ihnen auszuüben? Würden Sie?

Was würde Sie auf die Straße treiben? Wofür würden Sie kämpfen? Oder um es in Ihre Realität zu holen- wofür kämpfen Sie?

Sie steht vor dem Flammenmeer, das sie von ihren Gegener trennt. Alles wird in diese wütenden Flammen geworfen, um diese größer und größer werden zu lassen. Ein lodernder Schutz, eine Grenze, die nicht übertreten werden soll. Schuhe und Jacken fliegen in das Feuer, Wut und Hitze steigen auf, Rauch vernebelt den Menschen den Verstand, Rufe, Schreie, Tränen verschmierte Gesichter neben Blutspuren auf dem kalten Boden. Dann Menschenkörper im Feuer, brennende Gliedmaßen versinken in den Flammen, ohne wieder aufzutauchen.

Sie erzählt, erzählt ihre Geschichte. Sie spricht darüber, was sie gesehen hat. Die Bilder, die ihr Leben bestimmt haben. Nichts anderes. Nicht, was jemand von ihr hören möchte und nichts, was wir erwartet haben. Das Geschehene, welches vor einem Jahr über die Bildschirme flirrte, die Zeitungen füllte und die Radiosprecher wach hielt wird hier zum greifbar Nahem.
Menschen auf der Bühne, die hier den Raum bekommen, sich zu zeigen, mit allem, was sie sind. Mit ihrem Lachen, ihrem Humor, ihren Familien, ihren Freunden, dem Land, aus dem sie kommen und der Gewalt, der sie ausgeliefert waren. Dem Konflikt, dem Schmerz und der Sehnsucht nach Verständnis und dem Wunsch nach Anhörung und Gerechtigkeit.

„Schrecklich. Schön. Irgendwie.“

Die Europahymne. Die Protagonisten beginnen leise zu singen. Immer lauter. Immer fordernder. Bis das Publikum leise, immer mutiger mit einstimmt und sich der Saal in ein Meer aus Menschen verwandelt, die alle nach demseben streben. Friede. Mitgefühl. Und Liebe.

Was treibt Sie an?

Für mich ist es wichtig, dass wir in der heutigen Zeit die Möglichkeit haben, unsere individuellen Geschichten füreinander erlebbar zu machen. Dass wir uns zeigen, was geschieht, wenn wir uns am Limit bewegen und dieses überschreiten. Dass wir sehen, was passieren kann und wir darüber nachdenken, was wir tun würden. Tun müssten. Tun werden, wenn wir einmal in die Situation kommen, dass wir aufstehen und dann anfangen zu wissen, ob wir die Kraft haben, für unsere Ideale einzustehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 9. Februar 2015 von in Allgemein, Lessingtage.
%d Bloggern gefällt das: