Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Some use for your broken clay pots

-® Jan Lietaert

Von Catalina Suchomel

Das Scherbengericht. Qualifikationsvotum. Statebook. Bürgervorschläge. Demokratische Rituale. Eine neue Idee, eine neue politische Struktur und ein junger Mann aus der Schweiz, der das Publikum in seine Gedankenwelt entführen möchte.

Der Saal füllt sich. Die Glocke läutet. Es wird leise im Saal und das Publikum blickt gespannt auf Christophe Meierhans. Was passiert hier eigentlich? In was für einer Welt leben wir? Und wie viel wissen wir über die Welt und die Menschen? Und was hat das alles mit Politik zu tun? Mit einem weiten Blick und einer neuen Ordnung im Kopf geht Meierhans das Problem gemeinsam mit dem Publikum an, lässt mit und –nachdenken, erklärt genau und nachdrücklich, ohne zu viel von den Gästen zu wollen.  Es geht darum, den Einzelnen selbst davon zu überzeugen, mehr zu wollen- von sich selbst, dem Leben und der Gesellschaft, die alle gemeinsam gestalten. Selbstverantwortung und das Ziel, politische Strukturen zu verstehen und jedem Bürger zutritt ins System zu gewähren, um hinter die Machtverhältnisse zu blicken.

Da braucht man viel Zeit und Energie zu, die nicht jeder aufwenden kann? Genau das, so Meierhans, ist das Problem in unserer Gesellschaft. Ein blindes Mit-Leben, ohne wirklich teilzuhaben an den wichtigen Entscheidungen, die uns alle betreffen und die wir uns vor Augen führen sollten. Ein kleines Aufwachen für die Interessen der Anderen.

Unverständnis, Unruhe, Lachen im Publikum, Unsicherheiten und Widersprüche. Eine Frage reiht sich an die nächste, was will uns Meierhans jetzt genau sagen und wie soll das denn bitte alles funktionieren? Wie stellt er sich das vor? Plötzlich zerreißt ein lauter Knall die Diskussion! Erschrockenes Schweigen. Hinter Meierhans ist ein Blumentopf auf die Bühne gefallen. Braune Erde, rote Blumen und die Überreste des Topfes verteilen sich hinter ihm. Verwirrung. Meierhans nimmt keine Notiz von dem Ereignis und erklärt weiter, so, als sei nichts geschehen.

Absurd! Und gleichzeitig nicht! Es unterstreicht die Aufforderung, sich endlich einen Stift zu nehmen, und die Namen der unliebsamen Politiker in die Scherben zu ritzen! Eine Aufforderung, aufzustehen und an ein neues Ziel zu glauben, auch wenn es von Anfang an aussieht, als sei es zum Scheitern verurteilt. Woher sollen wir wissen, dass etwas nicht funktioniert, wenn wir es nie ausprobieren?

Ich hatte mich bislang noch nie mit alternativen zu unserem jetzigen politischen System beschäftigt. Mir haben seine Ansätze gut gefallen, vor allem, weil er Vertrauen und Wagemut gefordert hat.

Es ist an der Zeit, mutig zu sein.
Eine neue Verfassung, 350 Artikel in 4 Sprachen, eine Unterschrift und ein Saal mit Menschen, die wenig hören aber viel zweifeln wollen.

Some Use for your broken Claypots ist am 6. Februar um 20 Uhr noch einmal im Thalia in der Gaußstraße zu sehen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 6. Februar 2015 von in Allgemein, Lessingtage.
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