Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

El Djoudour (Roots)

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Von Linda Pham

Man muss nicht sprechen, um etwas zu erzählen.
Man muss nicht sprechen, um Gefühle zu zeigen.

Das zeigt das Tanztheater El Djoudour von dem Regisseur Abou Lagraa.
Männer und Frauen treten anfangs getrennt auf.
Es sieht so aus, als würde man einem Tanzbattle zugucken, in dem die Frauen die Oberhand gewinnen und eine Grenze die männliche Seite immer weiter zurückdrängt.
Stimmungsvoll verstärkt die kraftvolle und rhythmische Musik den Vorgang.
Mein Herz pocht, als die Grenze überschritten wird und ein Kampf der Körper entsteht, der auf beiden Seiten eine ungeheure Energie, aber auch Zärtlichkeit ausstrahlt.
Welche Seite gewinnt, zeigt sich, als die Frauen sich einzeln ausziehen und alle das gleiche Kleid tragen. Ihre Individualität lassen sie oberflächlich zurück.
Spätestens jetzt erkennt man den Kern: Dass es um den menschlichen Körper in der muslimischen Kultur geht.
Obwohl auch wir im Westen denken, die Frauen, die sich verhüllen, hätten keine Rechte und werden von ihren Männern beherrscht und untergraben, zeigt sich die Frau hier von einer Seite, die vielleicht weitaus mehr dem entspricht, was wirklich passiert.
Die Frau ist auch in der muslimischen Kultur stark. Sie streckt sich und reckt sich und zeigt ihren Kampf und ihre Missgunst über die Bestimmung des eigenen Körpers. Erde wird auf der Bühne hin und her geworfen, um die Aussagekraft der Bewegung widerzuspiegeln.
Doch irgendwann scheint die Kleidung, die auf ihnen ruht gar nicht mehr zu zählen. Entscheidend sind doch schließlich die Charaktere, die hinter jedem von ihnen und von uns stecken.
Schließlich löst die Liebe alle Grenzen der Welt auf.
Die Liebe vereint beide Geschlechter zu einem. Endlich hat man seine andere gleichwertige Hälfte gefunden. Gesegnet wird dies durch den Gesang einer älteren Dame, die eine mütterliche Wärme auf beide überträgt.
Wer das Recht auf dieses oder jenes hat und welches Geschlecht dem Anderen übergeordnet ist, löst sich in eine liebevolle intime Schlussszene auf, die die Schönheit und Zärtlichkeit beider Körper in ihren eigenen Facetten zeigt.
Eben diese Komplexität macht El Djoudour zu einem tiefgreifenden Erlebnis.
Und seien wir mal ehrlich, die westlichen Frauen können genauso wenig in Unterwäsche an der Alster spazieren gehen. Wir sollten uns gar nicht vormachen,wir könnten hier tragen, was wir wollen. Spätestens dann wird man von der Gesellschaft zerrissen, von Frauen und Männern.

El Djoudoor (Roots) ist am 6.2. um 20 Uhr noch einmal im Thalia Theater zu sehen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 6. Februar 2015 von in Allgemein, Lessingtage.
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