Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Die lange Nacht der Weltreligionen

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Von Özlem Alagöz-Bakan

Überall Aufruhr: Die Welt verändert sich, die Welt brennt, die Welt weint.
Am 1. Februar fand die sechste Lange Nacht der Weltreligionen im Thalia Theater statt, und kaum verwunderlich lautete das diesjährige Motto „Religion und Gewalt“. Im Vergleich zu den Themen der vergangenen Jahre erscheint das diesjährige Thema viel provokanter und problematischer in vielerlei Hinsicht. „Religion und Gewalt“: Ein ethisches und gesellschaftliches Problem, über das man ungern spricht.
Die Veränderungen auf der Welt sind beunruhigend. Die Menschen sind verwirrt und haben Angst. Es gibt für viele nur noch „Schwarz oder Weiß“ – „Gut oder Böse“ – „Hass oder Liebe“ – „Krieg oder Frieden“. In Anbetracht der aktuellen religiösen Konflikte,  Terroranschläge und  der immer lauter werdenden Protestbewegungen auf der ganzen Welt, rückt das Thema Religion und Gewalt in den Mittelpunkt von Podiumsdiskussionen.
Trotzdem wissen wir so wenig über die Perspektive der Religionen über Gewalt sagen. Was sagen die heiligen Schriften über Gewalt? Ist Gewalt legitim? Wenn ja, wann? Die Lange Nacht bot den Besuchern eine Plattform, gemeinsam auf die Suche nach Antworten zu gehen. Es ging nicht um die Aufhebung von Differenzen in den Religionen, sondern vielmehr war man bemüht, einen fairen Dialog zu schaffen.

Schulprojekte auf der Langen Nacht der Weltreligionen
Die Ideen und Umsetzung, Schulprojekte auf der Langen Nacht der Weltreligionen miteinzubinden, erscheint sehr sinnvoll und notwendig, da der interreligiöse Austausch besonders in der Schule zu Gewaltprävention beitragen kann. Offen über das Thema Gewalt aus interreligiöser Perspektive zu sprechen, kann auch ein Schritt sein.
Im Eingangsfoyer wurden die Besucher mit einem Live-Performance und Videoinstallation von Schülerinnen und Schülern empfangen. Gegenstand der Performance waren Zitate aus den heiligen Schriften wie „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“ (Bibel: Matthäus 5, 43-45) oder „Wer so handelt, verdient den Tod.“ (Bibel: Römer 1, 28-32).

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Beeindruckend fand ich auch die Live-Performance der Schülergruppe von der Stadtteilschule Bergstedt aus dem „One World“ Profil. Gegentand ihrer Performance war der Islam, Hinduismus und Buddhismus. Textstellen aus den Heiligen Schriften wurden interpretiert und in Form von kleinen Szenen dargestellt  z.B. aus dem Koran:   „Die gute Tat ist der schlechten nicht gleichzustellen. Erwidere die schlechte, die dir geschieht, mit einer guten! So wird derjenige, mit dem eine Feindschaft bestand, zu einem engen Freund.“ (Sure 41, Vers 34).

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Die Schülerinnen und Schüler berichteten mir, dass es ihnen vor allem darum ging, Vorurteile aufzubrechen. Eine gelungene Performance über Vorurteile, Klischees, Hass, Arroganz und Unwissenheit!

Lesung und Gespräche
Auch die diesjährige „Lage Nacht der Weltreligionen – Religion und Gewalt“ entstand in Kooperation mit der Akademie die Weltreligionen der Universität Hamburg. Die Lesung und Gespräche wurden von Prof. Dr. Wolfram Weiße und Joachim Lux moderiert.
In der Eröffnungsrede machte Prof. Dr. Ulrich Dehn darauf aufmerksam, dass die Heiligen Schriften uns keine eindeutige Antwort auf das Thema Gewalt geben. So sei es wichtig, die Heiligen Schriften vom sozialen und historischen Entstehungskontext zu betrachten. Das macht die Auseinandersetzung mit den heiligen Schriften nicht einfacher. Wie soll man das verstehen?

Eine Frage, mit der sich auch die Experten immer wieder auseinander setzen müssen. In drei Gesprächsrunden versuchten Religionswissenschaftler und religiöse Gelehrte aus dem Judentum, Christentum, Islam und Buddhismus sich dem Thema Religion und Gewalt heranzutasten.

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Die Experten sind sich einig: Gewalt im Namen der Religion darf es nicht mehr geben.
Perspektive und Halt geben: Dr. Mustafa Yoldas machte darauf aufmerksam, dass man in erster Linie jungen Menschen eine Perspektive geben müsste, um sie aufzufangen.
Vorurteile eindämmen und in Dialog treten: Das erfordert Präventionsarbeit und aktiven interreligiösen Dialog in der Schule. Die Religionspädagogin Prof. Dr. Elisabeth Naurath geht ein Schritt weiter und fordert diesen Dialog schon im Kindergarten.

Begleitet wurden die Gesprächsrunden von Schauspielerinnen und Schauspieler des Thalia-Ensembles mit Zitaten und Textstellen aus Heiligen Schriften, die Gewalt, Ausgrenzung, Hass und Unterdrückung thematisieren. Die eindrucksvolle Leseeinheit bot den Besuchern einen Einblick in die religiöse Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt in den Heiligen Schiften des Judentums, Christentum, Islams, Buddhismus und Hinduismus. Eine wundervolle Zusammenstellung von Geschichten, Zitaten und Textstellen! Sie regen zum Nachdenken an. Es handelt sich hierbei nur um eine kleine Auswahl an Textstellen, deshalb erfordert es eine hohe Kompetenz an Reflexion und Selbststudium.

Zum Empfang gab eine kleine Teezeremonie mit türkischen Teigspezialitäten – Essen verbindet Menschen und Kulturen

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 2. Februar 2015 von in Allgemein, Lessingtage.
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