Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Die lächerliche Finsternis

"Die lŠcherliche Finsternis" Thalia Theater

Foto: Krafft Angerer

Von Viviana Gonzales Lobato

Es ist schon 20 Uhr und die Zuschauer stehen im Foyer des Thalia Theaters in der Gaußtrasse. Das Stück “Die lächerliche Finsternis” von Wolfram Lotz soll gleich beginnen, aber die Türen bleiben noch geschlossen. Ein Schauspieler steht plötzlich vor uns und erzählt, es fehle einer von ihnen. Was für eine Katastrophe! Ich habe mich tatsächlich gefragt, ob das stimmte, oder ob das Ganze ein Teil des Theaters war. Solche Fragen sollte ich mir im Laufe des Abends noch öfter stellen.

Der Dialog  des “fehlenden” Schauspielers wird von einer Zuschauerin gespielt, und so geht die Show weiter!  Vom Anfang an interagieren die Schauspieler mit dem Publikum. Sie brachten uns zum Lachen, dazu, Geräusche zu machen und sogar zu tanzen. Regisseur Christopher Rüping zeigt Männer, die mit Alltagsgegenständen Musik, Geräusche von wilden Tieren und einen Dschungel kreieren: Es herrscht Irrsinn auf der Bühne, wie die Geschichte selber erzählt.

Fünf Schauspieler führen uns durch die Geschichte zweier Männer, die in einem Dschungel nach einem dritten suchen, um ihn umzubringen, da er zwei Kameraden getötet hat. Das Ganze wird in einem Radio-Studio gespielt und die seriöse Szenen werden durch Werbungen und populäre Lieder unterbrochen. Ich dachte: Wie lächerlich ist das alles, aber genau so spiegelt es die Realität wieder. Wie leben in einer Welt voller Probleme, aber freuen uns auf ein neues Handy, während wir lieber vergessen was in Afrika passiert. Wir haben keine großen Sorgen, aber sind trotzdem unglücklich. Die Geschichte von Wolfram Lotz lässt uns wissen: „Der Mensch ist ein bösartiges Tier. Seine Bösartigkeit muss organisiert werden“ (Joseph Conrad).

Die lächerliche Finsternis macht uns darauf aufmerksam, wie tief die Menschheit in dem Dschungel der Globalisierung, des Kapitalismus und des Materialismus steckt. Am Ende sieht man auf der Bühne eine unglaubliche Unordnung und fünf Männer die sterben und sich fragen, was sie überhaupt da machen, im Tod und im Leben davor.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10. November 2014 von in Allgemein, Premierenblog.
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