Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Die lächerliche Finsternis

"Die lŠcherliche Finsternis" Thalia Theater

Foto: Krafft Angerer

Von Kadija Dastager

Kann sich die Finsternis der Lächerlichkeit preisgeben? Ist die Finsternis, die als Synonym für das Unbekannte, das noch nicht Erforschte und das Angsteinflößende gilt, albern oder komisch sein und wenn ja, welche Gestalt nimmt eine lächerliche Finsternis dann an?

Auf der Suche nach Antworten und einem unterhaltsamen Abend begab sich das Premierenpublikum am Samstag in das Herz des Thalia Theaters in der Gaußstraße. Hier hatte die Lächerlichkeit unter der Regie von Christopher Rüping ihren großen Auftritt in einem Hörspiel auf einer Theaterbühne.

Angelehnt an die Erzählung „Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad und inspiriert von dem Antikriegsfilm „Apocalypse Now“ des Regisseurs Francis Ford Coppola, schreibt Wolfram Lotz 2013 „Die lächerliche Finsternis“ und setzt sich – wie bereits seine Vorgänger – mit der Sinnlosigkeit von Kriegen auseinander. Die Thematik Krieg bzw. Antikrieg birgt vordergründig nicht die Aussicht, heiter, albern oder sogar „lächerlich“  zu sein. Das Hörspiel des Autors Wolfram Lotz jedoch hat sich dem schleichenden Unterton der Lächerlichkeit der Erzählung „Herz der Finsternis“ verschrieben und macht diese zum Star seines Stücks.
Die „Lächerlichkeit der Finsternis“ erzählt von einigen der Krisenherde einer globalisierten Welt und gesellt sich damit zu den Grausamkeiten des belgischen Kolonialismus im Kongo, wie in “Herz der Finsternis“, oder den Vietnamkrieg, wie in “Apocalypse Now“.

Da es sich bei „Die lächerliche Finsternis“ um ein Hörspiel handelt, lässt vermuten, dass es für das Theater in ein Bühnenstück umgewandelt wird. Doch das ist weit gefehlt, die Bühne des Thalia Theaters in der Gaußstraße ist wie ein Tonstudio mit dick ausgelegten Teppichen und durcheinander stehenden Mikrofonen aufgebaut. Es folgt die Ansage der vier überaus charismatischen Schauspieler, dass das Stück und das Publikum Teil einer Live-Produktion sind, die zu jeder Vorstellung aufgenommen und auf der Homepage des Thalia Theaters live zu hören ist.

Wie in einem Hörspiel üblich, wird der Zuhörer akustisch in fremde Welten oder Geschichten entführt. In „Die lächerliche Finsternis“ wird das Publikum nicht nur akustisch, sondern auch visuell in eben diese Finsternis entführt. Ein wenig wird das Medium Hörspiel entzaubert, schließlich wird nun sichtbar, wie typische Geräusche wie Wind oder Regen produziert werden. Der Entzauberung wird jedoch ein Mitmachen des Publikums entgegengesetzt und gerät in Vergessenheit, denn das gemeinsame Geräusche machen ist sehr amüsant und lässt das Publikum Teil dieses Hörspiels werden.

Die Inszenierung visuelles und virtuelles Radio hat nicht nur den Nebeneffekt, mehr Zuhörer für das Stück zu gewinnen und in die Produktion eines Hörspiels eingeführt zu werden, sondern hält auch vor Augen, dass Opfer und Grausamkeiten eben dieser globalisierten Krisenherde abschaltbar sind. Spannend lauscht und hört man zu, wie die Bundeswehrsoldaten Stefan Dorsch und Oliver Pellner auf der Suche nach dem verrückt gewordenen Oberstleutnant Karl Deutinger sind, nur um dann immer wieder für eine Werbeunterbrechung oder eine Lesung unterbrochen zu werden.

Die Geschichte des Hörspiels um die Schicksale des somalischen Piraten, des italienischen Blauhelmsoldaten, des serbischen Händlers, der Handyproduktion in der Wildnis und des Auftrags der beiden Offiziere sind Ausdruck für die Sinnlosigkeit des Kriegs und die Kehrseite des westlichen Wohlstands.

Das Hörspiel ist äußerst unterhaltsam und stimmt nachdenklich, ohne mahnend wirken zu wollen. Es ist unheimlich lustig, obschon es sich mit der schwierigen Thematik Krieg auseinander setzt. Die vier Schauspieler, die natürliche verschiedene Rollen annehmen, verfügen über ein tolles musikalisches Gespür und haben sehr einnehmliche Stimmen. Die Finsternis kann also lächerlich sein, sie ist sogar sehr lustig und manchmal ein wenig verwirrend.

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Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10. November 2014 von in Allgemein, Premierenblog.
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