Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Charles Manson: Summer of Hate – Das Musical

Charles Manson: Summer of Hate – Das Musical Ein musikalischer Trip zwischen L.A. und dem Death Valley Regie Stefan Pucher Uraufführung am 26. September im Thalia Theater

Foto: Armin Smailovic

Von Leyla Yenirce

Weiß, männlich, vorbestraft

Summer of Love oder Summer of Hate? Ist das Böse wirklich Böse oder das Gute Anstifter des Bösen, weil sie das Böse zur Abgrenzung des Guten braucht?

Das Musical Charles Manson- Summer of Hateportraitiert das komplexe Wesen eines alten Hippies, der eigentlich Sadist, Killer und Rassist ist.

Nachdem Manson in den 60ern nach diversen Straftaten und Gefängnisaufenthalten eine Hippie-Kommune gründete, sprang er auf den Zug der vermeintlichen freien Sexualität, Systemkritik und Drogenkonsum. Einziges Problem: Dass Manson wahrscheinlich nie wirklich selber an peace, love and harmonyglaubte, sondern die Stimmung einer Bewegung nutzte, um sich als Patriarchat, Machthaber und brutaler Erfolgssüchtiger zu behaupten.

Regisseur Stefan Pucher zeigt auf der Bühne die verschiedenen Gesichter des Charles Manson; in einer Szene zelebriert er im Sitzkreis das Musizieren im Kollektiv, in der nächsten Szene sieht man Manson als Hass-Prediger und Auftragskiller und nicht zuletzt beschuldigt er das Publikum der Heuchelei, da sie ihn nur portraitieren, um ihre eigene moralische Existenz zu legitimieren. Deutlich wird diese Ambiguität der Persona Manson nicht nur in der Mehrfachbesetzung des Charakters, sondern auch in seinen Kostümen, die die verschiedenen Orte, die das Stück aufgreift, repräsentieren: Hollywood, Death Valley, Hippiekommune, Gefängnis.

Dass Manson’s „Family“ nicht auf Gleichberechtigung der einzelnen Mitglieder_innen beruht, wird vor allem in den weiblichen Figuren der Gruppe deutlich. Dienen die Frauen am Anfang Manson noch als Sexsklavinnen, werden sie später zu Auftragsmörderinnen instrumentalisiert. Manson selber vertritt die frauenverachtende Auffassung, dass Frauen im Kollektiv dem Mann zu dienen haben. Auf der Bühne wird dies vor allem in dem wechselhaften Verhalten der Frauen deutlich. Je nach Mansons Stimmungslage oder politischer Position schwärmen Sie entweder von polygamer Liebe oder dem Lauf einer Waffe.

Durch das Stück begleiten die Musik der Band Trümmer und das Ensemble, die mal hippiesk Gitarren-Mitsing-Songs im Kopf-Mitschwing-Modus singen, mal lauthals ins Mikro die neue Ära und Lebensstil ankündigen. Zwischen Sexualität, Songwritern und Satan fange ich an über die eigentliche messagedes Stückes oder Musicals nachzudenken. Will es die schmale Grenze zwischen kollektiver Gemeinschaft und kollektivem Zwang darstellen, eine unterhaltsame Geschichte erzählen oder die Bedeutung von Gut und Böse in Frage stellen?

Nicht zuletzt frage ich mich, warum gerade dieses Stück und kein anderes an einem Freitag Abend, 26.September 2014, auf der großen Bühne des Thalias läuft. Ist die Biografie Mansons eine interessante Geschichte über die Ideologie und den Zerfall der 60er Hippie Bewegung, stellt es die Labilität eines moralisch verwerflichen Menschen dar oder wirft es uns unsere eigenen Vorstellung von Normalität vor?

Ein wenig unbefriedigt von der Unklarheit Pucherks eigentlicher inhaltlichen Idee, verlasse ich das Theater und merke, dass die knapp eine Stunde und 45 Minuten des Stückes sich doch ziemlich lang angefühlt haben, die Musik an mancher Stelle doch nicht laut und mitreißend genug war und ich nicht ganz genau weiß, welchen Mehrwert ich aus dieser Erfahrung ziehe, außer dass für mich klar steht: Charles Manson hat einen an der Waffel, beziehungsweise ein Hakenkreuz auf seiner Stirn, was man feststellt, wenn man seinen Namen googelt. Und er hat Menschen diskriminiert, beherrscht und war eigentlich ein ziemlich schlechter Musiker.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 27. September 2014 von in Allgemein, Premierenblog.
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