Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Charles Manson: Summer of Hate – Das Musical

Charles Manson: Summer of Hate – Das Musical Ein musikalischer Trip zwischen L.A. und dem Death Valley Regie Stefan Pucher Uraufführung am 26. September im Thalia Theater

Foto: Armin Smailovic

Von Kadija Dastager

Es klingt unglaublich, ist aber wahr: Im Thalia Theater ist Charles Manson ein Musical Star! Gestern Abend wurde das Premierenpublikum Zeuge der musikalischen Wiederauferstehung des Sektenführers der 60er Jahre.
Entsprechend der Erwartungshaltung – es handelt sich schließlich um Charles Manson! – reiht sich „Summer of Hate“ nicht in die „Feel Good“-Musicals der Hamburger Musicallandschaft ein.
Charles Manson, der ein Hakenkreuz auf der Stirn trägt und noch immer eine lebenslange Haftstrafe im kalifornischen Staatsgefängnis in Corcoran abbüßt, eignet sich kaum als Sympathiefigur à la Rocky, die sich singend und tanzend aus der eigenen Misere boxt.

„Summer of Hate“ beginnt mit dem Mann im Gefängnis und es ist nicht ganz klar, zu welchem Zeitpunkt, denn Charles Manson war den Großteil seines Lebens dort. Es folgt ein bizarres Interview – er spricht von denen da draußen und denen hier drinnen, und sinnbildlich steht dafür eine Gefängniswand auf der Bühne, die Manson und die Anderen von den Menschen trennt. Szenisch, mit echten Aufnahmen, nachgestellten Videoaufnahmen und Interviews verschwimmt die Realität und das Spiel im Stück.

Singend wird das Publikum in die „Family,“ den Regeln und der Philosophie für das Leben in einer Kommune eingeführt. Mansons musikalische Stücke wurden vom Thalia Theater neu aufbereitet und die stärksten Themen hervorgeholt. Einen Moment lang, zwischen dem Harmoniegesang der Charlies – den bildhübschen, musikalischen Anhängerinnen Charles Mansons – und den Monologen des Predigers – erscheint das Leben in der Hippie-Kommune, frei von Zwängen und der Monotonie des Alltags, als ernstzunehmende Alternative auf der Suche nach dem Glück in 2014.

Dieses Bild wird durch den Gesang und vor allem die hervorragende Musik der Band unterstrichen. Das Leben auf der Ranch scheint eine real gewordene Utopie, ein Abziehbild des Flower Powers. Dieses Bild trügt, denn natürlich kommen zur Musik auch die Drogen , die Exzesse und die Abhängigkeit vom Wohlwollen des Sektenführers.

Summer of Hate ist das von Charles Manson proklamierte Gegenstück vom Summer of Love der 60er Jahre, dazu gehört der von Manson heraufbeschworene Rassenkrieg, dem „Helter Skelter“ und den Massenmorden, die er anordnete. Leider wurden diese nur ansatzweise im Stück behandelt. Das Musical ist keine inszenierte Biographie, sondern ein Konzert, das eine Geschichte von einem Möchtegernpropheten erzählt und diesem dafür auch größtenteils das Forum gibt.

Das Stück ist eine Provokation, ein Musical über einen Rassisten und verurteilten Mörder an einem Stadttheater. Das Leben und Wirken von Charles Manson passt so ganz und gar nicht zu dem Genre des Musicals. Bedauerlicherweise reicht die gute Musik und der tolle Gesang nicht ganz aus. Es fehlte die kritische Auseinandersetzung mit dem Leben von Charles Manson.

Trotzdem Chapeau für den gelungenen Versuch einem Musical eine schwerere Kost zu verabreichen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 27. September 2014 von in Allgemein, Premierenblog.
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