Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Die Tragödie von Romeo und Julia

Die Tragödie von Romeo und Julia von William Shakespeare Premiere am 6. September im Thalia Theater

Foto: Armin Smailovic

Von Tjorven Hamdorf

Romeo und Julia ist eines der meistgespielten Stücke auf deutschen Bühnen – und doch traute sich die Regisseurin Jette Steckel an die tragische Liebesgeschichte, die über 400 Jahre alt ist und dessen Handlung beinahe jeder kennt, heran. Das ist mutig, weil es schon so viele Interpretationen gibt, dass man Gefahr läuft, nichts Sehenswertes mehr zu zeigen. Ich finde, ihre Darstellung des Stoffes ist es auf jeden Fall.

Die unmögliche Liebe von Romeo und Julia, die bei Steckel in einer Welt, geprägt von Familienhass und Konkurrenzkampf, zum Scheitern verurteilt ist, scheint nach wie vor aktuell. Romeos (Mirco Kreibichs) und Julias (Birte Schnöink) Gefühlschaos und Stimmungsschwankungen erinnern an die eines jeden anderen Teenagers: Überhaupt wird ständig alles überspitzt. Aber mit dem Satz “Vernunft kann unseren Schmerz nur amüsieren“ können sich wohl die meisten Zuschauer, auch wenn sie nicht mehr im Teenageralter sind, identifizieren. In über drei Stunden verzauberte das Thalia Theater mit einer Inszenierung, die mich sowohl schauspielerisch als auch musikalisch und tänzerisch überzeugt. Zeitweise erinnert die Bühne an eine Party, eine Masse von Jugendlichen tanzt ausgelassen hinter einem goldenen glitzernden Vorhang zu modernen Techno-Beats: In der Gemeinschaft und doch allein. Für mich waren Tanz und Musik die entscheidenden Punkte, warum diese vielerzählte Geschichte mich doch wieder packen und faszinieren konnte: Die Bilder und die Bewegung haben mich so in den Bann gezogen, dass ich den Blick keine Sekunde von der Bühne wenden konnte (was ja im Theater nicht immer der Fall ist).

Die Tragik der Geschichte wird immer wieder von Komik durchbrochen, oftmals von der bodenständigen Amme (Karin Neuhäuser), die mit ihren Lebensweisheiten, großartig vorgetragen, nicht nur Julia weiterhilft. Romeo und Julia sind reif für das 21. Jahrhundert, doch der Blick auf das Original geht bei der modernen Inszenierung nicht verloren. Poetische Sprache und eindrucksvolle Musik berühren und werden mir auch noch, nachdem ich das Theater verlassen habe, in den Ohren klingen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 7. September 2014 von in Allgemein, Premierenblog.
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