Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Die Tragödie von Romeo und Julia

Die Tragödie von Romeo und Julia von William Shakespeare Premiere am 6. September im Thalia TheaterFoto: Armin Smailovic

Von Mona Li

Romeo und Julia. Ein Lichtermeer mit Jugendlichen, Wixern und Blümchenleggins.
Die Musik fetzt.

Von Romeo und Julia habe ich bereits viele Inszenierungen gesehen. Mit Reaktionen von Wow, warum jetzt so modern und „Creep“ von Radiohead acapella singen, bis Oh Schreck Schnarch Schultheater, wann stirbt Julia endlich.

Die Interpretation von Jette Steckel zeigt mit vielen Mitteln des modernen Theaters eine Geschichte mit 40 Jugendlichen, viel Lichtertanz und Musik, von der man sich wünscht, sie wäre der Soundtrack des eigenen Lebens.

Das Stück beginnt aus dem Nichts.

Man ist plötzlich drin im Geschehen. Man hört in englischer Sprache junge Männer rufen: Motherfucker blablabla. Inhalt eigentlich egal.

Alles so modern. Aber modern- das sind doch wir. Wir sind die Gegenwart und die Gegenwart ist das, was wir denken.

Die Sprache, manchmal zeitgenössisch, manchmal mit Anglizismen, dennoch durchgehend Shakespeare.

Die Mode: Julia trägt Blümchenleggins und Lederjacke. Die Jugendlichen tragen Totenkopfmasken.

Der Romeo: Eine moderne Wurst. Weniger mutig, als man sich von einem Mann wünscht.

Auch das Drumherum ist modern: Die Mode unserer Gegenwart, die Musik unserer Emotionen.
Und was ist mit der Thematik?

Es geht hier wohl um Liebe. Um bedingungslose, starke, absolute Liebe. Eine Liebe, die wächst, weil der Reiz der Exklusivität da ist. Deshalb so stark.

Die Exklusivität kommt durch Grenzen zustande. Grenzen die durch zwei Namen gezogen werden. Montague und Capulet.

Die Namen kennt wohl jeder. Überall auf der ganzen Welt kennt man diese tragische Geschichte. Man weiß sofort worum es geht: Um Liebe. Jeder kennt diese über Dekaden alte Geschichte.

Und wie sieht es mit der Gegenwart aus? Passt die Thematik überhaupt noch zu der Gesellschaft, in der ich lebe und deren Teil ich bin?

Ist es verboten einen anderen Menschen zu sehen und zu lieben, weil er einen anderen Namen trägt?

Wer könnte das besser verstehen, als jemand, wie ich, die mit einer anderen Kultur aufgewachsen ist. Eine Kultur die „noch“ anders denkt.

Merkwürdigerweise kann man einen Trend erkennen, der zeigt, dass immer mehr Menschen sich miteinander paaren „dürfen“. Alt mit Jung, Schwarz mit weiß, XX mit XX und XY mit XY.

Als ich vor fünf Jahren in die Heimat meiner Mutter, Shanghai, reiste, da durfte man noch kein Händchen halten. Keiner küsste sich auf der Straße. Im Fernsehen gab es nachts kein Schmuddelprogramm und in den Musikvideos tanzten Mädchen, indem sie ihren Kopf, aufgestützt auf ihren Händen, von rechts nach links wippten, dabei grinsten und Hasenohren trugen.

Meine Mutter hat mir nie direkt verboten, einen Freund zu haben. Sie sagte mir bloß ständig ich sei zu jung und versuchte mir zu verbieten, mich auf mein Fahrrad zu setzen und zu dem Jungen zu fahren.
Wenn der Junge zu Besuch kam, fand sie viele lustige Ausreden, um in mein Zimmer zu kommen.

Ich möchte, dass DU DU DU DU DU und DU dir das Stück ansiehst. Es lohnt sich nicht nur wegen des schönen Lichterketten-Bühnenbildes, sondern auch wegen der hervorragenden Schauspieler und zu guter Letzt wegen der Musik. Soap&Skin gehört jetzt schon zu meinen neuen Lieblingskünstlerinnen. Mit Klavier und einer rosig, raspelig, zarten Stimme. Ganz sanft, aber mit starkem Gefühl. Sie ist klasse und macht die Inszenierung zu einem Konzert und Schauspiel zugleich.

Bei so viel Moderne, Trara und Schönheit für das Auge und das Ohr stört es auch nicht, wenn Julias Balkon fehlt und Mercutio nicht wie gewohnt an einem qualvoll dramatischen Tod stirbt.

Wie die Absoluten Beginner jetzt sagen würde: Egal- der Rhyme ist fett.

Sag ich: Egal- das Stück war geil.

 

 

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Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 7. September 2014 von in Allgemein, Premierenblog.
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