Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Die Gruppe Lampedusa in St. Pauli

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Foto: Mona Li

Von David Gómez

Bis auf den letzten Platz war das Theater in der Gaußtraße für die Vorstellung der Lampedusa-Gruppe in St. Pauli gefüllt. Die Unterstützung des Thalia Theaters der im März vergangenen Jahres angekommenen Flüchtlingsgruppe in Hamburg ist bis heute als politisches Zeichen zu bemerken. Die Intention, die hinter der Inszenierung von Bernadette La Hengst mit der Lampedusa-Gruppe stand, war auf menschlicher Ebene sicherlich gut gemeint.

Abgesehen davon fehlte der Inszenierung Tiefgang und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema, das Konzert nahm die Form einer Soap-Opera an. Gespielt wurden Reggae, Rap und andere exotische Rhythmen, in dem die Textinhalte nie von den üblichen stereotypischen Begrifflichkeiten abwichen. Nur wenn man solche Begrifflichkeiten durchbricht, kann man an der Wirklichkeit etwas ändern. Die Aufteilung der Welt in nördliche und südliche Hemisphäre, Industrie- und Entwicklungsländer, gut und böse, schwarz und weiß bringt niemanden weiter.

Die Darsteller haben Senatoren interpretiert, es gab Zuständige für Liebe, Arbeit und Dekolonisation. Im Raum gab es eine Sehnsucht auf das Exotische zu spüren: Naive Neugierigkeit auf die Fremde, die trotz der ernsten Lage der Flüchtlinge auf der Bühne fast ins Lächerliche abzugleiten drohte.

Wie ist die Flüchtlingsgruppe auf der Bühne repräsentiert worden? Haben sie die Möglichkeit gehabt, anders zu wirken? Es stellt sich die Frage, ob wirkliche Subjekte ihre Realität spielen können.
Und tut man den Flüchtlingen einen Gefallen, wenn man sie als einfache Opfer des Kolonialismus ansieht? Scheinbar gab es kein Interesse, die Gründe und Folgen solcher Migrationsprozesse differenzierter zu hinterfragen. Die Bühne ist ein Mittel, um gesellschaftliche Positionen zu äußern. Diese Ausdruckskraft des Theaters ist unbestreitbar. Die letzte Veranstaltung der Lessingstage wäre eine splendide Plattform gewesen, um in voller Komplexität die Lage der Flüchtlinge und der Flucht an sich in Europa und insbesondere in Hamburg zu reflektieren. Aber ein seriöses Darstellungskonzept fehlte.

Der Ballsaal wurde nach der Show zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung, wo eine freier Austausch möglich war. In diesem Fall war die Pädagogik die sinnvollere Form des politischen Agierens als die Kunst .

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10. Februar 2014 von in Allgemein.
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