Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

DESH

Desh 381 med res by Richard Haughton

Foto: Richard Haughton

Von Kadija Dastager

Die Performance von Akram Khan bot dem Publikum des Thalia Theaters und mir einen tiefen Einblick in das Innenleben des berühmten Tänzers und Choreographen.

Akram Khan selbst beschreibt sein neunzigminütiges Solo als seine persönlichste Arbeit, der Titel DESH (Bengali für Heimat) unterstreicht dies und ist daher mehr als passend.

In den faszinierenden Bühnenräumen des Künstlers Tim Yip (Oscar für die Ausstattung von „Crouching Tiger, Hidden Dragon“) tritt u. a. die Kunstfigur Akram Khans, ein kleiner Mann mit einer Pluderhose, in Erscheinung. Sie ist sein Spiegel, der die Geschichte des Vaters von Bangladesh nach London und zurück erzählt.

Dieser kleine Mann ist der Grenzgänger, der sich aus dem Desh  – der Heimaterde (sehr plakativ die kleine Anhäufung Erde mit der Pflanze, auf die am Anfang des Stückes eingehämmert wird) in der vibrierenden Großstadt Londons wiederfindet. War der kleine Mann anfangs Akram Khans Vater, so hat auch später Akram Khan selbst, auf der Suche nach seiner eigenen Geschichte, eine solche Reise auf sich genommen und sich vom geordneten London ins bebende Bangladesh begeben.

Akram Khans Solo erzählte sehr viele Geschichten, die ihn stark berühren und schafft es wunderbar, diese kunstvoll miteinander zu verweben. Es gab viele Momente, in denen Akram Khan seinen Schmerz tänzerisch zu überwinden versucht. Seine Performance thematisierte viele schmerzliche Wunden, die noch nicht verheilt zu sein schienen.

Die Auseinandersetzung, die er mit seinem Vater anspricht, haben mich am meisten berührt. Dass Akram Khan die Ebenen des Erzählers verwischt und man sich nicht sicher ist, wessen Geschichte er gerade erzählt, macht dramaturgisch viel Sinn – die Unterschiede zwischen Vater und Sohn sind letztlich doch nicht so groß. Die Rolle des Vaters ist sowieso eine ganz besondere, Akram Khan schlüpft in diese am Anfang der Inszenierung so humorvoll, dass man die Wendung in der Geschichte des Vaters umso schmerzlicher empfindet.

DESH passt sehr gut zu den Thalia Pfadfindern, denn wie viele Menschen mit Migrationshintergrund bewegt auch Akram Khan sich zwischen zwei Welten. Er lebt im hier und jetzt in London, wo er aufgewachsen ist, aber auch das Vergangene, das damals, begleitet ihn in Form seiner bengalischen Vorfahren – dies wird mit der Rolle seines Vaters in DESH sehr deutlich.

Allerdings muss sich Akram Khan zumindest im Tanz nicht für eine Welt entscheiden, er vermischt den nordindischen Kathak mit modernem europäischen Tanz und hat damit eine wunderbare Synergie erschaffen, die in DESH unverkennbar in Erscheinung tritt.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 8. Februar 2014 von in Allgemein.
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