Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Ilija Trojanow – Wo Orpheus begraben liegt

090 016

Foto: Christian Muhrbeck

Von Viviana Gonzalez Lobato

“Die Grenze meiner Sippe sind die Grenzen meiner Welt”, mit diesem Satz fängt Ilija Trojanow die Lesung seines Buches “Wo Orpheus begraben liegt” an. Der Autor hat sein Heimatland, Bulgarien, mit sechs Jahren zurückgelassen und es sich mit diesem Buch zurückerobert. Er hat in der Lesung drei Teile seines Buches vorgestellt: Sippschaft, Teppe und Dale. Seine Stimme ist stark und verändert sich mit jeder Geschichte und Gestalt, was das ganze Erleben sehr angenehm macht. Die Bilder zeigen die Armut, die die bulgarischen Menschen jeden Tag erleben. Sie wurden von Christian Muhrbeck gemacht und zeigen in schwarz-weiß lächelnde Kinder bis zu einer Oma mit einer Pistole in der Hand, während der Schriftsteller vorliest. Die Fotos sind sehr beeindruckend, aber haben mich leider ab und zu von der Rede abgelenkt. Ilija Trojanow hat in den drei Geschichten von der Armut in Bulgarien erzählt, davon, wie junge Männer sich überlegen, Arbeit in anderen Ländern zu suchen, und erwähnt die multikulturellen und multireligiösen Umstände seines Heimatlands.

Ein Thema, das mir persönlich imponiert hat, ist, wie Trojanow durch das Land gereist ist und sich mit Leuten aus kleinen Dörfern unterhalten hat und meinte, dass diese Menschen von fremden Besuchern gehört und gesehen werden wollen, weil sie häufig unsichtbar für ihre eigenen Landsleute sind. Es ist wichtig zu wissen, dass in Bulgarien massive Armut, extreme Ungerechtigkeit und extreme Unterschiede zwischen den sozialen Klassen herrschen und Bulgarien statistisch gesehen das ärmste Land Europas ist – obwohl diese Statistiken immer sehr vorsichtig zu betrachten sind, denn die zeigen nur einen Teil der Wahrheit.

Nach der Lesung hat Joachim Lux, Intendant des Thalia Theaters, mit dem Autor geredet, und das Publikum hat auch Fragen gestellt. Dadurch haben wir erfahren, dass die extrem armen Leute in Bulgarien keine besseren Zeiten erlebt haben, seit das Land in die EU aufgenommen worden ist. Im Gegenteil, ihnen geht es schlechter, sie verlieren langsam die Hoffnung, die mit jeder Veränderung kommt. Außerdem ist Ilija Trojanow der Meinung, dass der „Tourismus eine organisierte Verhinderung der Neugier für das Fremde ist“ und dass der Schlüssel zu einem langen Leben „frische Luft, Knoblauch und Yoghurt“ ist, wovon viele alte Leute in Bulgarien auf dem Land lange leben. Alles in allem, war die Rede angenehm, man hat von der Situation in Bulgarien erfahren, die sich für die meisten Europäer sehr fremd und unmöglich anhört, aber der Realität des Landes entspricht.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 6. Februar 2014 von in Allgemein.
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