Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Die lange Nacht der Weltreligionen

_MCH5645Foto: Nihal Demir

Von Dan Lin

Das Thema der fünften Nacht der Weltreligionen war dieses Mal “Sehnsucht und Stachel der Mystik”. Wie Thalia-Intendant Joachim Lux am Anfang betonte, ist das Theater keine Kirche und ihr Schwerpunkt liegt darin, die Grundlagen der verschiedenen Religionen zusammen zu bringen, dadurch werden sie verbunden und unterhalten das Publikum. Der spannende Abend beginnt mit einer Mischung aus Sitar- und Jazzmusik . Die Bühne ist mit einem grossen Bild des Universums eingerichtet, mild leuchtende Sterne führen das Publikum zu einer größeren Geisteswelt, die ie Gäste von der Akademie der Weltreligionen und der Universität Hamburg dem Publikum anbieten.

“Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen…” Dieser berühmte Satz von Wittgenstein wird mit dem Satz ”Es gibt allerdings Unausprechliches. Dies zeigt sich..” verbunden. Dieses extierende Unaussprechliche, also die Grenze des logisch Aussprechbaren, nennt Wittgenstein das Mystische. Wie geht dieser Abend mit dem Thema um?

Zuerst wird der Begriff der Mystik erklärt, der als Substantiv vermutlich erst im 17. Jahrhundert aufkommt und auf den Begriff Mysterium, “ Geheimnis, Unerklaerliches, Verborgenes” zurückgeht und im 19.Jh in Deutschland auftauchte.

Ein Mystiker ist auf der Suche nach unmittelbarer Gottesnaeche. Vor allem die Einheit mit dem Transzendenten ist ein wichtiges Thema der Mystik, z.B. Eins-werden mit Gott , Eins-werden mit der Materie oder Eins-werden mit dem Absoluten. Ein anderes Thema ist die himmlische Liebe. Die Vereinigung mit dem Transzendenten wird oft auch als mystische Liebesbeziehung bezeichnet. Ein Transzendenzerlebnis von Praktizierenden kann bewusst einmalig oder regelmaeßig erzeugt werden oder unerwartet einmalig oder mehrmals auftreten. Einige Religionen sehen es als “Kostprobe” für das Leben nach dem Tod, wobei andere Gruppen versuchen ,z.B die Anhänger des Zen-Buddhismus oder Taoismus , dieses Einheitserlebnis mit der Alltagswelt zu kombinieren. Im Buddhismus ist es zum Beispiel wichtig, in Achtsamkeit zu leben. Dies ist eine der Formen der Meditation, um die Einheit mit Buddha zu erlangen.

Obwohl die Wahrnehmung sogenannter mystischer Erlebnisse als unausprechlich und nicht beschreibbar charakterisiert wird, sind Mystiker zu allen Zeiten als Lehrer und Propheten, Maler und Dichter, Sänger und Komponisten aufgetreten und haben ihre Transzendenerfahrungen verbal, schriftlich oder musisch ausgedrückt. Damit ist auch meine Frage klar geworden, wie man über das Unaussprechliche sprechen kann. Z.B. Brachten uns Ashraf Sharif Khan, Oddrun Lilja Jonsdottir, Jonosch Pangritz freie, wogende Musik nahe, die ganz neue Gefühle von Mystik vermittelten. Erstaulich ist es auch, dass die Musiker vorher nicht oft zusammenspielt haben. Trotzdem “schmeckt “ die Musik gut: Ashraf Sharif Khan bezeichnet sein Talent für Musik als Talent fürs Kochen. Sevgi Polat (Gesang) und Hasan Simsek(Belgalam) besingen die Liebe zu Gott im Alevitentum .” In Liebe entbrannt bin ich gekommen. Ich wurde von einer Öllampe zu einer anderen begeben. .Zu Staub bin ich geworden …” Einer der Referenten betonte, dass die mystische Lebensform ein langer Prozess mit tiefen Gedanken und kein kurzes Erlebnis sei. Eine andere Referentin sagte, es sei eine Lebensform von Widerstand. Auch im Buddhismus ist langjährige Praxis unter Anleitung Buddhas, zum Beispiel Meditation, Grundlage der Glaubensausübung.

Dann wird über ein weiteres Charakteristikum mystischer Schriften gesprochen, die Kritik am Handeln Gottes. So werfen manche Mystiker dem Höchsten ein Sichentziehen vor und ziehen ihn für das Leid des Einzelnen oder das der Welt zur Verantwortung. Aber wonach sehnt sich der Mystiker? Und wer will ein Mystiker sein? Und sind wir nicht alle Mystiker? Für mich als Buddhistin ist die Wahrheit keine Mystik, weil die Stufen der Erleuchtung in den buddhistischen Büchern genau beschrieben werden und nichts unaussprechlich ist. Aber welche Stufe der Praxis man gerade erreicht hat, kann man selber im Buddhismus nicht aussprechen, und auch andere können es nur vermuten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 2. Februar 2014 von in Allgemein.
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