Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

DIE + WIR = EUROPA

Sebastian Rudolph

 Die Schauspieler Sebastian Rudolph vom Thalia Theater und Tambet Tuisk aus Estland.
Fotos: Armin Smailovic,  Mardo Männimägi

Von Viviana González Lobato

Auf der linken Seite sitzt Thalia-Schauspieler Sebastian Rudolph an einem Tisch und vertritt Deutschland, auf der rechten Seite Tambet Tuisk aus Estland. So fängt das Theaterstück „Die + Wir = Europa“ an, obwohl es kein klassisches Theaterstück ist: Es gibt sehr viel Musik und keine „Handlung“, sondern das Stück wirkt wie eine Radioshow. Die Schauspieler unterhalten sich über die Beziehung zwischen ihren Heimatländern: Am Anfang dieser Reise durch die Geschichte war die Beziehung von Liebe und Dankbarkeit gekennzeichnet (auch die Nazis waren als Besatzer in Estland eigentlich nicht unbeliebt), im Laufe des Kalten Krieges wurde sie aber mit Abneigung kontaminiert, und ganz am Ende mit Indifferenz, was am meisten weh tut. Für mich, die nicht aus dem europäischen Kulturkreis kommt und die Geschichte nicht so gut kennt, war es nicht immer leicht, den Konflikten zu folgen.

Musik hat in der Inszenierung eine große Rolle gespielt und sehr viel Raum eingenommen. Das Bühnenbild von Annette Kurz bestand, außer den Tischen, nur aus Instrumenten und dem Bild eines Himmel, dessen Beleuchtung sich mit der Intensität und Fröhlichkeit der Musik verändert hat. Die Zuschauern konnten von klassischer Musik wie „Timelines“ von Reinhard D. Flender über Pop wie „Neue Deutsche Welle. Ein Medley“ und, meinem persönlichen Favorit, die Saxofone genießen, die von Villu Veski und Gabriel Coburger gespielt wurden. Im Ganzen konnte man schon erkennen, das jedes Musikstück wertvoll war, aber ein paar zusätzliche Informationen über die Musik und ihre Geschichte wäre hilfreich gewesne, um den großen musikalischen Anteil des Theaterstücks angemessen würdigen zu können.

Die Gespräche von Sebastian Rudolph waren mit Sarkasmus durchsetzt, was für viele Lacher sorgte und zeigte, wie lächerlich es manchmal ist, eine andere Kultur erklären zu wollen. Die von der estnischen Gegenstimme hatten einen ernsthafteren Ton. Das Verhältnis zwischen Musik und Unterhaltungen waren das Besondere an dem Theaterstück. Leider wurde diese Verbindung nicht deutlich, und deshalb war man manchmal in Gedanken woanders.

Eines aber wurde deutlich: Als Tambet Tuisk gefragt wurde, was Estland ist, sagte er: Kein Mensch denkt an Estland, keiner weiß was in dem östlichen Land los gibt, manche wissen sogar nicht, wo es liegt. Und um ehrlich zu sein, bei der Mehrheit von uns hat er wahrscheinlich Recht.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30. Januar 2014 von in Allgemein.
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