Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Reise ans Ende der Nacht

REISE ANS ENDE DER NACHT/Residenztheater

Foto: Matthias Horn

Text: Tania Mancheno

Reise ans Ende der Nacht (1932) ist der erste und gleichzeitig bekannteste Roman des französischen Schriftstellers Louis-Ferdinand Céline. Enfant terrible der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das einige autobiographische Elemente birgt:Die Hauptfigur trägt den Namen Ferdinand und ist ebenso wie Céline als Soldat im ersten Weltkrieg Zeuge der Schrecken des Krieges geworden. „Reise ans Ende der Nacht“ erzählt die verschiedenen Stationen von Ferdinands Odyssee-ähnlicher Reise, vom Kongo über Paris nach Amerika und wieder zurück nach Frankreich. . Reise ans Ende der Nacht bietet dann eine doppelte Abbildung der Wirklichkeit: Des Lebens des Schriftstellers und eine Analyse der Zeit, in der er gerade lebt. Diese Abbildung ist auch die große Leistung von Castorfs Regie.

Wo liegt das Ende der Nacht? Wo soll die Reise hingehen? Bereits der Titel verbirgt das Spiel von Zeit und Raum: Endet nicht die Nacht dort/dann, wo/wenn der anfängt? Diese Paradoxie, sowohl im Buch als auch im Stück spürbar, drückt sich in der Form einer mehrdimensionalen Spannung aus: Die Spannung zwischen gelebtem Leben und sozialem Leben, zwischen Frau und Mann, zwischen Nicht-Europäern und Europäern, zwischen Schwarz und Weiß. Die räumliche Dimension der Paradoxie im Titel wird mit einer bewegenden und labyrinthähnlich gebauten Bühne veranschaulicht und durch die die Erzählung durch Ferdinands Stationen ergänzt.

Die Zwischenkriegszeit ist auch der Höhepunkt der Europäischen Kolonialisierung des afrikanischen Kontinentes. Castorf arbeitet die Spannungen zwischen Europa und Nicht-Europa sowie die Paradoxien des „Zuhause sein in der Kolonie“ durch zahlreiche visuelle Elemente heraus. Dies bedeutet nicht, dass sie aufgelöst werden. Es geht im Stück nicht darum, eine Lösung, oder eine Utopie anzubieten. Die Spannungen zwischen den Wüschen und Hoffnungen der Individuen und ihrer sozialen Leben werden in aller Gewalt präsentiert. Sie werden schlichthin geschrien, gespuckt oder gesungen. Es gibt bei Castorf keine Zensur in der gewaltvollen Beschreibung der Gegenwart.

Tania mit den Schauspieler_Innen Aurel Mathei und Fatima Dramé
Foto: Nihal Demir

NHD_6184

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 26. Januar 2014 von in Allgemein.
%d Bloggern gefällt das: